Viel zu tun gibt es auch am Nachmittag. Dort haben Sie sich kürzlich sehr rigoros von Ihrer Telenovela „Wege zum Glück“ getrennt.

Das ist mir nicht leicht gefallen, weil es eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Produzenten war. Wir haben aber gemeinsam erkannt, dass die Chancen für eine deutliche Quotensteigerung gering waren. Wir testen zur Zeit vier Wochen lang die „Pyramide“, ein Experiment, das in Zusammenarbeit mit ZDFneo entstanden ist. Währendessen sondieren und pitchen wir neue Optionen am Markt, unter anderem Talk und Dokutainment-Formate. Mein Ziel ist es, nach ersten Pilotierungen im Herbst dann Anfang 2013 mit einer neuen täglichen Sendung zu starten.

Warum nicht gleich das von Thomas Bellut im vergangenen Jahr schon angekündigte TV-Lab für das Hauptprogramm?

Das „TVLab“ wird es im nächsten Sommer auch für das Hauptprogramm geben, aber sicher nicht ganz in der Genre-Bandbreite wie bei ZDFneo. Wir werden genau definieren, für welches Genre wir das TVLab einsetzen und dafür dann die Rahmenbedingungen beschreiben. Dann sehen wir, was uns die Produzenten bieten – mit dem interessanten Dreh, dass der Zuschauer am Ende darüber mitentscheiden kann, was in Serie geht.
 
Bleiben wir aber nochmal beim bevorstehenden Herbst. Ist „Wetten, dass..?“ das dominierende Projekt für den ZDF-Programmdirektor?

„Wetten, dass..?“ ist sicher das größte Programmprojekt in diesem Jahr.
 
Aber sicher nicht die einzige Baustelle...
 
Wir arbeiten an vielen Themen: An der Show-Entwicklung, an der Modernisierung der Fiction, an der  Leiste zwischen 14 und 17 Uhr. Und wir suchen beispielsweise am Wochenende nach Innovationsflächen.
 
Stichwort: Innovationen. In den letzten 20 Jahren war das Privatfernsehen der Ursprung fast jeden Programmtrends. Dabei müsste es den Öffentlich-Rechtlichen doch viel leichter fallen zu experimentieren...

Schauen Sie mal bei ZDFneo vorbei, ist auch öffentlich-rechtlich oder bei ZDFkultur.  Aber ja: Wir müssen auch im Hauptprogramm wieder der „First Mover“ sein. Wir müssen überraschen und Publikum zurückgewinnen. Auch hier geht es wieder um den richtigen Mix: Events plus Modernisierung plus Innovation.
 
Anderes Thema: Ist es eigentlich ratsam, vor dem Start einer neuen Sendung eine Quotenvorgabe zu geben?

Wenn man ein wichtiges Programmereignis auf den Sender bringt, muss man schon auch Erwartungen formulieren. Ich nehme mal stark an, dass Sie auf „Wetten, dass..?“ anspielen. Eine so große Produktion mit einem starken image-prägenden Faktor soll natürlich auch ein großes Publikum erreichen. Dafür machen wir es. Ein ganz wichtiger Faktor ist aber die Qualität der Sendung – auch im Kontrast zu dem, was sonst auf dem deutschen Fernsehmarkt zu sehen ist.

Jetzt kommt die Frage, auf die sicher schon gewettet haben: Was erwartet den Zuschauer denn am 6. Oktober beim neuen „Wetten, dass..?“

Eine spannende Show mit vielen Überraschungen. Und die wären es nicht mehr, wenn ich Ihnen jetzt schon alles erzählen würde. Der Kern von „Wetten, dass..?“ bleibt natürlich erhalten. Aber wir haben mit Markus Lanz einen neuen Präsentator, der, nicht zuletzt durch seine tägliche Praxis in seiner Talkshow und mit seiner Fähigkeit auf Menschen einzugehen, sich deutlich mehr den Kandidaten widmen wird. Die Wetten stehen im Zentrum. Die Kandidaten spielen eine größere Rolle. Das wird sich im Ablauf der Sendung wie auch auf der Bühne widerspiegeln.
 
Wohin rücken die Stars und Showacts? Lanz bringt ja gerade die Erfahrungen im Gespräch mit mehreren unterschiedlichen Gästen mit...

Es gibt weiter internationale Stars und große Showacts. Die Mischung der Gäste wird bunter werden. Wir wollen alle Gäste künftig die ganze Sendung über auf dem Sofa haben: Mehr Gespräch, mehr Interaktion, mehr Beteiligung.
 
Wie viel Wissen und wie viel Hoffen steckt in Ihrer Zuversicht, dass die Neuauflage von „Wetten, dass..?“ mit Markus Lanz funktionieren wird?

Darin steckt das Wissen um die Professionalität der Redaktion und um die Stärken von Markus Lanz. Darin steckt auch das Wissen darüber, dass das Format funktioniert. Wenn wir die Ingredienzien beibehalten und mit Markus Lanz den neuen Showmaster mit seinen Fähigkeiten richtig einsetzen, dann müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht klappt.
 
Herr Himmler, herzlichen Dank für das Gespräch