Wie sind denn die Gespräche mit Tele 5 zustande gekommen?

In den wichtigsten Momenten meines Lebens und meiner Karriere hat das Schicksal immer nachgeholfen. Wir haben über Jahre mit vielen Sendern gesprochen. Es gab mehrfach sehr ernsthaftes Interesse, aber immer wurde an irgendeiner Stelle plötzlich der Stecker gezogen. Meist für uns völlig verblüffend in letzter Minute. Und fast immer war das Budget schuld. Es hieß dann meist: „Wir glauben total daran, aber lassen Sie uns lieber nächstes Jahr nochmal reden.“ oder aber „Also wir haben das nochmal nach oben gegeben und da hieß es, dass wir doch vielleicht erst einmal nur eine Folge machen und schauen wie die Quote ist“. Wir haben daraus irgendwann die Konsequenz gezogen, dass wir das wirtschaftliche Risiko einfach selbst eingehen und eigene Partner suchen, wenn es schon kein Sender allein tragen will. Rat Pack finanziert die neue „Kalkofes Mattscheibe“-Staffel also quasi wie einen Film, mit Rückstellungen. Produktion, Regie und auch ich selbst sind nicht in der ersten Ausschüttung dabei, wir gehen mit ins Risiko. Zur Finanzierung suchten wir dann mehrere Partner für eine möglichst umfassende Verwertungskette. Tele 5 hat die FreeTV-Rechte gekauft - aber das reicht zum Beispiel noch nicht ganz, damit es sich rechnet, wir haben immer noch eine Lücke. Es wird noch einen exklusiven Online-Partner geben und wir suchen noch in Richtung PayTV. Aber wir alle glauben an das Produkt und sind sicher, dass sich der Mut am Ende lohnen wird.

Und wie kamen Sie jetzt ausgerechnet auf Tele 5?

Die hatten wir anfangs gar nicht auf der Uhr. Aber das Schicksal führte uns durch eine ganz andere Tätigkeit zusammen und ich erzählte nebenbei, dass wir gerade am Revival der Mattscheibe arbeiten - und Tele 5 zeigte plötzlich Interesse. Erst haben wir das gar nicht ernst genommen, aber lustigerweise hat Tele 5 nicht nur geredet sondern sehr zügig gehandelt. Und sie teilten unsere Auffassung, dass es nicht wie vorher bei ProSieben halbstündige Folgen sein müssten, sondern lieber kürzere, dafür aber regelmäßig und länger als nur ein paar Wochen. Ich glaub das ist der erste Privatsender, der eine 15-minütige Sendung kauft, die nicht mal mit Werbung unterbrochen wird. Das ist Fernsehen, bei dem der Sender noch selbst von dem Produkt überzeugt ist und dem Publikum wieder eine gewisse Zuverlässigkeit bietet.

Aber auch Tele 5 zeigt am Vormittag und in der Nacht Werbespots oder Programmfenster, die Sie schon süffisant parodiert haben...

Ja, aber eben nicht nur. Und sie zeigen auch keine publikumsverachtenden Sendungen, in denen die Zuschauer selbst lächerlich gemacht werden. Es gibt Serien, Filme oder Produkte die man gut oder schlecht finden kann. Aber Tele 5 liebt noch sein Publikum und sieht sich selbst als Teil davon – das sollte selbstverständlich sein, ist aber keineswegs üblich. Wir haben auch noch mehr miteinander vor als nur die „Mattscheibe“. Wir denken über einen Jahresrückblick nach und wollen das große Potential von Tele 5, also all die B-Movies, besser nutzen. Die besten Filme hat jeder, aber ich werde „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ präsentieren und kommentieren. Auch daran arbeiten wir. Man sieht: wenn sich derzeit was im deutschen Fernsehen bewegt, dann bei den kleinen Sendern. Im PayTV oder halt bei Nischensendern wie Tele 5. Die holen sich jetzt einfach mal vier neue Leute und trauen sich was. Das ist Fernsehen, das wieder einfach Spaß macht, auch wenn vielleicht nicht gleich alles funktioniert, mit Menschen, die noch Lust auf ihre eigene Arbeit haben. Sowas kannte ich gar nicht mehr.

Zum Ende hin würde mich noch etwas Persönliches interessieren: Sie kritisieren viele Fernsehschaffende oder nehmen Sie in der „Mattscheibe“ auf den Arm. Legen Sie sich da für persönliche Begegnungen mit diesen Menschen bei Branchen-Events eine dicke Haut zu?

Also gegen die meisten hab ich ja gar nichts persönlich, im Gegenteil. Ich mache mich lustig über die Marotten, Fehltritte oder Übertreibungen und Moderatoren, die sich selbst zu ernst nehmen. Viele der früheren „Opfer“ kenne ich inzwischen sehr gut und bin mit einigen auch gut befreundet. Aber man hat natürlich auch ein paar Menschen, die ich bitte nie treffen will. Aber ich nenne da jetzt keine Namen.

Gibt es denn Hoffnung für das deutsche Fernsehen?

Es gibt so kleine versteckte Inseln der Hoffnung, vereinzelt sprüht mal irgendwo ein Funke. Dass das ZDF nach vielen Jahren so etwas wie die „heute show“ hat entstehen lassen zum Beispiel. Hätte man ja nie gedacht, aber schade, dass aus dem Funken noch kein Feuer geworden ist. Der Weg ist der richtige, aber er führt auf dem Lerchenberg leider doch lieber immer über den Umweg ZDFneo, wo man sich mal heimlich was zu wagen traut. Sonst gibt es leider nur sehr vage Versuche und meist reißen die Sender gleich mit dem Arsch wieder ein, was sie gerade aufgebaut haben. Andere verlieren vor lauter Angst ihre eigene Identität, so wie gerade Sat.1, das eigentlich schon längst von einer Rating-Agentur auf Sat.2 runtergestuft werden müsste.

Sat.1 geht gerade durch ein tiefes Tal....

Und dann kommen sie in einer Mischung aus Panik, Unfähigkeit und Verzweiflung sogar noch auf die schwachsinnige Idee einer gescripteten Talkshow! Wenn wir mal ganz weit zurück gehen: DailyTalk an sich war ja gar nicht schlimm. „Hans Meiser“ und „Ilona Christen“ hatten am Anfang fundierte Themen und passende Gäste - weil man damals sogar noch Redaktionen hätte. Deswegen hätte mich ein echter DailyTalk fast gefreut. Sogar durchgeknallte echte Asis beim gescheiterten Dialogversuch wären noch irgendwie interessant gewesen – aber was dann abgeliefert wurde war für mich der absolute Tiefpunkt des momentanen Fernsehens, ein selbst ausgestelltes Armutszeugnis. So traurig es ist, ich sehe derzeit keinen allgemein positiven Trend. Mein Lösungsvorschlag wäre, alle verantwortlichen Redakteure an einen Stuhl gefesselt zu zwingen, sich in unbezahlten Überstunden ihre eigenen Sendungen komplett selbst anzuschauen. Das könnte Wunder bewirken, niemand würde sich die eigene Lebenszeit weiterhin derart versauen wollen.

Herr Kalkofe, herzlichen Dank für das Gespräch.