Jan Böhmermann hat mit Oliver Welke einen prominenten Fürsprecher für seine Idee einer täglichen Late-Night-Show, wie sie einst Harald Schmidt hatte, bekommen. "In den USA gibt es diese Late-Night-Kultur seit Jahrzehnten. Bei uns gab es nur Schmidt. Und danach ist es wieder eingeschlafen. Jetzt gibt es Böhmermann, aber nur einmal pro Woche. Es fehlt eine Show, die dir hilft, mit dem Tag abzuschließen", sagte Welke in einem Interview mit der "Berliner Zeitung" und bezeichnete die Late-Night-Show darin als "Königsdisziplin".

Welke: "Man muss Leute finden, die Lust haben, sämtliche Themen abzudecken: Politik, Boulevard, Medienkritik, Sport - selbst Schmidt hat sich im Alter für Fußballthemen interessiert. Und dann musst du die Sendung mit deiner Persönlichkeit tragen. Eine Late-Night-Show hängt größtenteils an einer Person." In Frage kämen dafür aktuell aber nicht viele, findet der "heute-show"-Moderator.

"Du brauchst Leute wie Schmidt oder Böhmermann, die entsprechende Bühnenerfahrung haben. Wir haben im deutschen Fernsehen viele, ich sage es jetzt mal etwas despektierlich, Ansager. Die sind in der Lage, vor der Kamera fehlerfrei Sätze aufzusagen. Aber es ist etwas ganz anderes, eine Gruppe von Menschen so zu unterhalten, dass die mental dranbleiben." Vielleicht fehle es in Deutschland auch ein wenig die Tradition, mutmaßt Welke, dem es auch an unterhaltsamen Gästen mangelt. "Amerikanische Schauspieler gehen mit Gags in die Sendung, sind selbstironisch und schlagfertig. Deutsche Schauspieler glauben oft, ihre Anwesenheit sei schon das Ereignis."

Jan Böhmermann hatte im Dezember mit einer "lustigen werktäglichen Unterhaltungsshow" am späten Abend im ZDF kokettiert. "Ich hätte ohne Probleme Material, um dreimal die Woche Sendung zu machen. Ich will im Fernsehen alt werden", sagte er damals der dpa. ZDF-Intendant Thomas Bellut betonte dagegen, dass Böhmermann die jungen Zuschauer bei ZDFneo "nahezu perfekt" erreiche.

Oliver Welke blickt unterdessen unbesorgt in seine Zukunft vor der Kamera, wie er in der "Berliner Zeitung" deutlich machte. "Wir haben mit der 'heute-show' unser Publikum gefunden und unsere Marke etabliert. Aktuell muss ich mir keine Sorgen machen." Dass die "heute-show" inzwischen mehr Zuschauer erreiche als das "heute-journal" sage aber nichts über klassische Nachrichtenformate aus. "Ich glauber nicht an eine Krise der Nachrichten gegenüber der Comedy. Was es aussagt, ist, dass offensichtlich Leute gezielt zu uns einschalten, die vorher nicht ZDF geschaut haben. Und die sind - schade fürs ZDF - danach auch in der Masse wieder weg."

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