
Vor genau einer Woche kam bereits das Aus für Betty TV in der Schweiz. "Die Ergebnisse von Betty TV (Schweiz) liegen deutlich unter unseren Erwartungen, weshalb eine Weiterführung des Betty-Dienstes aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht mehr gerechtfertigt ist", hieß es vergangene Woche Montag von Swisscom, dem Schweizer Pendant zur Telekom, deren Geduld jetzt ganz offensichtlich schneller am Ende war als gedacht. Zunächst war geplant, das Schweizer Unternehmen zum 30. November mit der deutschen Betty-Tochter zusammenzulegen.
In der Schweiz kann die längliche Fernbedienung in jedem der Swisscom-Shop zurückgeben werden. Gegen Vorlage des Kaufbelegs erhalten Kunden Einkaufsgutscheine mit dem entsprechenden Neuwert des Gerätes. Auch die gesammelten "Sofameilen" - also Prämienpunkte für die kostenpflichtige Nutzung des Gerätes - können bis zum 30. November gegen Telefon-Guthaben oder Einkaufsgutscheine eingelöst werden. Über eine ähnliche Aktion für deutsche Betty TV-Kunden ist bislang nichts bekannt.
Schon bei der Bekanntgabe der Halbjahresergebnisse 2007 hatte die Swisscom im Sommer erstmals öffentlich kommuniziert, dass der Geschäftsverlauf von Betty TV deutlich unter den Erwartungen liegt. Am 31. August teilt das Unternehmen dann im Zuge einer Mitteilung der geplanten Geschäftsverlagerung der Schweizer Betty-Aktivitäten mit, dass man auch für die Zukunft der Betty TV (Deutschland) AG "verschiedene strategische Optionen" prüfe.

Gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de wurde man konkreter: Der Verkauf sei eine Option, aber auch die Einstellung des Dienstes, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Die Akte "Betty TV" wolle man "so schnell wie möglich" klären. In der Argumentation der Swisscom passe Betty TV auch nicht mehr zur strategischen Ausrichtung des Konzerns, so ein Sprecher. Mit dem Erwerb des italienischen Breitband-Kommunikationsunternehmen Fastweb konzentriere sich Swisscom im Bereich TV auf andere Konzepte.
Die interaktive Fernbedienung Betty wurde seit dem 1. Juli 2006 von der Betty TV (Schweiz) AG angeboten, seit Februar diesen Jahres auch von der deutschen Betty TV AG in Deutschland. Sie ermöglicht wie Rückkanal (Telefon) die Teilnahme an Gewinnspielen und liefert Zusatzinformationen zum Fernsehprogramm. Geeignet war Betty TV nur für analoge Telefonanschlüsse. Zuletzt war auch ein IP-Adapter verfügbar, der allerdings nicht mehr offiziell an den Markt gebracht wurde.

Bei den Medientagen in München hatte man vergangene Woche noch Galgenhumor bewiesen. Am Stand von Betty TV ließ Marketingchef Christian Morawietz kurzerhand "For Sale"-Schilder aufstellen. "Alles oder nichts" sei die Taktik, hieß es. Und so wurde am Stand auch jedem Interessenten mitgeteilt: "Können Sie kaufen die Betty. Das Gerät und den Laden." Interesse hatte offenbar aber niemand.