Am Ende ging es ganz schnell: Jahrelang hatte MFE von ProSiebenSat.1 gefordert, seine Beteiligungen loszuwerden und sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Und als der Konzern vor einigen Tagen den Verkauf von Verivox und die damit einhergehende Neuordnung der NuCom-Group in Zusammenarbeit mit General Atlantic verkündete, kündigten die Italiener schon kurzer Zeit später ein Übernahmeangebot für ProSiebenSat.1 an.
MFE hält bereits heute 30 Prozent an der deutschen Sendergruppe. Und weil man einen paneuropäischen Unterhaltungskonzern formen will, sollen auch die Anteile an ProSiebenSat.1 aufgestockt werden. Dafür wird beim Überschreiten der 30-Prozent-Marke eben ein Übernahmeangebot fällig. Und jetzt steht auch fest, wie viel die Italiener zahlen wollen. MFE bietet demnach 5,74 Euro je P7S1-Aktie an. Das entspricht dem von der Bafin ausgerechneten, gesetzlichen Mindestpreis. 4,47 Euro will MFE in bar entrichten, der Rest soll über die Ausgabe von MFE-Aktien erfolgen.
MFE zahlt damit nicht nur den Mindestpreis für die ProSiebenSat.1-Aktien, sondern auch weniger als den aktuellen Kurs. Der liegt zur Zeit um einige Cent höher. Mitte März kostete eine ProSiebenSat.1-Aktie noch 6,80 Euro, Anfang des Jahres waren es nur etwas mehr als 5 Euro. Seit Beginn des Jahres notiert der Wert aktuell bei fast plus 15 Prozent. Wie die dpa berichtet, kostet MFE die jetzt getätigte Offerte maximal 930 Millionen Euro.
Analysten gehen davon aus, dass MFE mit dem Angebot wohl nicht die komplette Mehrheit an ProSiebenSat.1 übernehmen wird können. Für einen Sprung über die 30-Prozent-Marke dürfte es aber dennoch reichen. MFE wird damit noch einflussreicher, im Mai steht die nächste Hauptversammlung von ProSiebenSat.1 an, hier dürften wichtige Weichenstellungen für die Zukunft getroffen werden. Auch die Zukunft von CEO Bert Habets, dessen Vertrag im Herbst ausläuft, ist noch nicht geklärt.
ProSiebenSat.1 hat sich noch nicht im Detail zum Übernahmeangebot durch MFE geäußert. Nach der Ankündigung einer entsprechenden Offerte vor einigen Tagen kündigte man an, dass Vorstand und Aufsichtsrat das Angebot prüfen würden, danach will der Konzern eine Stellungnahme dazu abgeben. Da das MFE-Angebot aber noch nicht offiziell eingegangen ist und dementsprechend auch noch nicht durch die Bafin geprüft wurde, wird es eine Stellungnahme aus Unterföhring erst nach Abschluss dieser Schritte geben.
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