Ende September vergangenen Jahres bot der NDR-Intendant Joachim Knuth seinen vorzeitigen Abgang an. Seine Amtszeit würde regulär Anfang 2026 enden und mit 66 Jahren stünde er nicht zur Wiederwahl zur Verfügung. In Folge dessen wurde wenige Wochen später, im Oktober 2024, die Stelle vom NDR-Verwaltungsrat öffentlich ausgeschrieben. Unklar ist, wie viele Bewerbungen daraufhin bis Ende der Frist am 10. November eingegangen sind. 

Joachim Knuth © NDR/Hendrik Lüders
Jetzt jedoch ist man bereits auf der Zielgeraden. Obwohl die nächste Sitzung des Rundfunkrat des NDR erst kommende Woche Freitag, am 4. April, angesetzt ist, dürfte schon diesen Freitag klar sein, wer in der NDR-Intendanz auf Joachim Knuth (Foto) folgen soll - und das liegt am Verfahren. Anders als zuletzt beim WDR oder - berühmt-berüchtigt - auch beim ZDF wird der Rundfunkrat des NDR sich in seiner Sitzung nicht zwischen mehreren Kandidatinnen und Kandidaten entscheiden können.

Im Norden läuft das etwas anders. Obwohl auch hier offiziell der 58-köpfige Rundfunkrat die Entscheidung über die künftige Führung des Norddeutschen Rundfunk fällt, obliegt die eigentliche Auswahl bereits dem Verwaltungsrat des NDR, einem zwölfköpfigen Gremium. Das schlägt voraussichtlich diesen Freitag eine Kandidatin bzw. einen Kandidaten zur Wahl in der kommenden Woche vor. Diese Person braucht dann eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Rundfunkrat - und eine Enthaltung gilt als Nein.

Empfohlen ist noch lange nicht gewählt

Einen offenen Wettbewerb der Ideen im eigentlich wählenden Gremium, wie eben zuletzt bei WDR oder ZDF, gibt es damit nicht. Der Rundfunkrat kann nur der Empfehlung folgen oder sie durchfallen lassen. Mit umso größerer Spannung wird erwartet, wen der Verwaltungsrat mit welcher Begründung für die NDR-Intendanz empfehlen wird. Denn für die persönliche Überzeugungsarbeit der Kandidatin oder des Kandidaten bleiben nicht einmal sieben Tage. Bei der Suche wurde diesmal, neben einer Findungskommission, erstmals auch die Hilfe externer Personalberater bemüht, die sogar bis zuletzt noch aktiv waren.

Juliane von Schwerin © NDR/Christian Spielmann
Eine der wenigen Personen im Rennen, die auch aufgrund vieler Fürsprecherinnen und Fürsprecher bekannt geworden ist, hat sich vor Wochen allerdings schon zurückgezogen: Juliane von Schwerin (Foto), stellvertretende Programmdirektorin des NDR und Hauptabteilungsleiterin des crossmedialen Programmbereichs Gesellschaft. Die Journalistin begründete die Entscheidung dem Vernehmen nach mit der Fragestellung, ob es ihr als Intendantin letztlich möglich sein würde, weiterhin inhaltlich zu wirken. Dies bezweifle sie - und wolle weiterhin am Programm arbeiten und stehe deshalb nicht zur Verfügung.

Neben ihr wurden in den vergangenen Wochen weitere Namen aus dem NDR aber auch anderen ARD-Anstalten gehandelt. Viele Namen fielen, wobei nicht leicht zu differenzieren war zwischen denen, die sich gerne im Gespräch sahen und solchen, die auch wirklich im Rennen waren oder sind. Ein sehr vertraulicher Prozess. Dass kurz vor der erwarteten Empfehlung des NDR-Verwaltungsrats bekannt wird, dass die profilierteste Bewerberin aus den Reihen des NDR selbst sich schon vor einer guten Woche aus dem Rennen genommen hat, lässt die Spannung nochmal steigen.

Externe Kandidatin beim Verwaltungsrat hoch im Kurs

Und die Überraschung könnte weit größer werden als gedacht. Nach Informationen des Medienmagazins DWDL.de erwägt der Verwaltungsrat des NDR die Empfehlung einer externen Kandidatin, die ohne öffentlich-rechtliche Erfahrung im Auswahlprozess demnach mit ihrer langjährigen Expertise in Management und Medientransformation überzeugt hat. Die Empfehlung einer externen Kandidatin für die NDR-Intendanz - es wäre ein Novum, das manche Branchenkenner im Vorfeld beinahe ausgeschlossen hatten. Man könnte dann fast von einer Revolution im ARD-Kosmos reden.

NDR in Hamburg © NDR/Gita Mundry
Oder auch von einem Wagnis: Ohne Kenntnis von TV und Radio, geschweige denn den komplexen Strukturen der ARD, dürften Übergang und Einarbeitung komplexer werden und mehr Zeit kosten - und das ausgerechnet in kritischen Zeiten für die Öffentlich-Rechtlichen, die u.a. wegen ihrer Klage beim Bundesverfassungsgericht in Auseinandersetzung mit weiten Teilen der Medienpolitik steht. Wenn nun ein politisch geprägtes Gremium überraschend eine externe Kandidatin statt rundfunkerfahrenere Kandidaten wie z.B. Hendrik Lünenborg, den Leiter des NDR-Landesfunkhaus Hamburg, empfehlen sollte - ist die Personalie damit schon ein Politikum? Der Freitag wird Gewissheit bringen.