Der Moment, auf den man nicht nur in Unterföhring gewartet hat, ist also gekommen. MFE (Media For Europe) setzt zum Sprung an und möchte sich krallen, woran man schon so lange und stetig arbeitet: Die Kontrolle bei der ProSiebenSat.1 Media SE zu übernehmen. Dazu kündigt der aus Italien stammende Medienkonzern am Mittwochabend ein Übernahmeangebot an. Doch ist gut gebrüllt auch schon gewonnen? Das Angebot dürfte kein Selbstläufer sein. Bei der ProSiebenSat.1 Media SE, wo man die Übernahme-Ambitionen bekanntermaßen mit Befremden verfolgt, dürfte man vorerst leicht aufatmen. Eine erste Reaktion aus Unterföhring lässt darauf schließen.

Pier Silvio Berlusconi © Imago / Matteo Gribaudi Pier Silvio Berlusconi
Die Ankündigung des Übernahmeangebots geht mit einer der ausführlichsten Stellungnahmen von MFE zur Strategie hinter der angestrebten Kontrolle über ProSiebenSat.1 einher. In der am Mittwochabend verschickten Mitteilung betont MFE-CEO Pier Silvio Berlusconi eine gewisse Dringlichkeit: "Wir glauben, dass ProSiebenSat.1 einen starken Aktionär braucht, der Expertise und Erfahrung in der Branche mitbringt und einen aktiven Beitrag zu seinem Wachstumskurs leistet. Die Absicht, unsere Beteiligung zu erhöhen, und das daraus resultierende Übernahmeangebot sind notwendig, um konkret und konstruktiv mit ProSieben zusammenzuarbeiten und einen Mehrwert für alle Aktionäre zu schaffen, bevor es zu spät ist."

Auf Lob für den Erfolg von MFE folgt im Weiteren eine Bestandsaufnahme: „Seit Jahren erachten viele das kommerzielle Fernsehen aufgrund der Fragmentierung des Publikums, der zunehmenden Digitalisierung und des unaufhaltsamen Aufstiegs der großen Internetkonzerne als veraltet. Demgegenüber ist MFE einer der wenigen Sender in Europa, der tatsächlich Wert geschaffen hat. Wir haben stets eine klar definierte Strategie verfolgt mit der Fokussierung auf das Kerngeschäft und dem Verkauf von Werbung über ein länderspezifisches, ansprechendes und modernes Fernsehen, das auch auf allen anderen Plattformen verfügbar ist.“

Bert Habets © Seven.One / Benedikt Müller
Die ProSiebenSat.1 Media SE war den Ambitionen von MFE, eine pan-europäische Sendergruppe sehr klassischer Art zu formen, seit dem erstmaligen Einstieg vor sechs Jahren anfangs mit totaler Konfrontation begegnet. Die Fronten waren verhärtet. Eine Sackgasse, aus die der aktuelle Vorstandsvorsitzende Bert Habets den Konzern ein Stück weit herausgeführt hat. Doch zu Fans der MFE-Ambitionen ist man in Unterföhring trotzdem nicht geworden, auch weil man seit einiger Zeit durch den Einfluss von MFE im Aufsichtsrat regelrecht getrieben wird. Kritisiert von MFE immer wieder insbesondere das Beteiligungsgeschäft von ProSiebenSat.1 abseits des Kernsegments.

Darauf zielt auch das am Mittwochabend verschickte Statement von Pier Silvio Berlusconi ab. "Viele Unternehmen – überzeugt vom Niedergang des Fernsehens – haben sich diversifiziert, indem sie in andere, insbesondere digitale Geschäftsbereiche, investiert haben. Und jetzt haben diese Anbieter Schwierigkeiten." Stattdessen wolle man die in Italien angewednete MFE-Strategie nun in Spanien und schließlich Deutschland ausweiten: "Ziel ist es, eine medien- und länderübergreifende, paneuropäische Gruppe zu schaffen, die als Alternative zu den digitalen Schwergewichten fungiert und das ehrgeizige Ziel erreicht, wettbewerbsfähig zu sein und zu wachsen."

MFE © MFE
Doch den vielen großen Worten steht ein dafür dann doch überschaubares Angebot gegenüber: Der Preis, den MFE zahlen will, wird voraussichtlich dem gesetzlichen Mindestpreis entsprechen, der dem von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zu berechnenden volumengewichteten Durchschnittskurs der ProSiebenSat.1-Aktien der vergangenen drei Monate entspricht. Laut eigener Mitteilung vom Mittwochabend erwartet die ProSiebenSat.1 Media SE, dass dieser Durchschnittskurs in der Größenordnung von 5,75 Euro liegen wird - und damit deutlich unter dem Schlusskurs der Aktie am Mittwoch, der 6,53 Euro betrug.

Offiziell heißt es, dass Vorstand und Aufsichtsrat von ProSiebenSat.1 das Angebot nach Veröffentlichung der Angebotsunterlage sorgfältig prüfen und hierzu anschließend ihre vorgeschriebene begründete Stellungnahme abgeben. Doch die kurze Mitteilung vom Mittwochabend lässt durch den Verweis auf die Höhe des Angebots eine gewisse Gelassenheit durchblicken. "Ein Angebot mit mehr Wirbel als Wirkung", heißt es aus dem Umfeld in Unterföhring. Wenn gleich kaum jemand sich Illusionen macht: Mit seinem erklärten strategischen Ziel dürfte MFE weiterhin hartnäckig bleiben.