Der Moment, auf den man nicht nur in Unterföhring gewartet hat, ist also gekommen. MFE (Media For Europe) setzt zum Sprung an und möchte sich krallen, woran man schon so lange und stetig arbeitet: Die Kontrolle bei der ProSiebenSat.1 Media SE zu übernehmen. Dazu kündigt der aus Italien stammende Medienkonzern am Mittwochabend ein Übernahmeangebot an. Doch ist gut gebrüllt auch schon gewonnen? Das Angebot dürfte kein Selbstläufer sein. Bei der ProSiebenSat.1 Media SE, wo man die Übernahme-Ambitionen bekanntermaßen mit Befremden verfolgt, dürfte man vorerst leicht aufatmen. Eine erste Reaktion aus Unterföhring lässt darauf schließen.

Auf Lob für den Erfolg von MFE folgt im Weiteren eine Bestandsaufnahme: „Seit Jahren erachten viele das kommerzielle Fernsehen aufgrund der Fragmentierung des Publikums, der zunehmenden Digitalisierung und des unaufhaltsamen Aufstiegs der großen Internetkonzerne als veraltet. Demgegenüber ist MFE einer der wenigen Sender in Europa, der tatsächlich Wert geschaffen hat. Wir haben stets eine klar definierte Strategie verfolgt mit der Fokussierung auf das Kerngeschäft und dem Verkauf von Werbung über ein länderspezifisches, ansprechendes und modernes Fernsehen, das auch auf allen anderen Plattformen verfügbar ist.“

Darauf zielt auch das am Mittwochabend verschickte Statement von Pier Silvio Berlusconi ab. "Viele Unternehmen – überzeugt vom Niedergang des Fernsehens – haben sich diversifiziert, indem sie in andere, insbesondere digitale Geschäftsbereiche, investiert haben. Und jetzt haben diese Anbieter Schwierigkeiten." Stattdessen wolle man die in Italien angewednete MFE-Strategie nun in Spanien und schließlich Deutschland ausweiten: "Ziel ist es, eine medien- und länderübergreifende, paneuropäische Gruppe zu schaffen, die als Alternative zu den digitalen Schwergewichten fungiert und das ehrgeizige Ziel erreicht, wettbewerbsfähig zu sein und zu wachsen."

Offiziell heißt es, dass Vorstand und Aufsichtsrat von ProSiebenSat.1 das Angebot nach Veröffentlichung der Angebotsunterlage sorgfältig prüfen und hierzu anschließend ihre vorgeschriebene begründete Stellungnahme abgeben. Doch die kurze Mitteilung vom Mittwochabend lässt durch den Verweis auf die Höhe des Angebots eine gewisse Gelassenheit durchblicken. "Ein Angebot mit mehr Wirbel als Wirkung", heißt es aus dem Umfeld in Unterföhring. Wenn gleich kaum jemand sich Illusionen macht: Mit seinem erklärten strategischen Ziel dürfte MFE weiterhin hartnäckig bleiben.