"Baby-Glück im Eimer - Es wird ein Low Performer! Lindner stellt Eilantrag zur Abschaffung von §218" Diese Zeilen sind auf der Titelseite der Januarausgabe des Satire-Magazins "Titanic" zu sehen, dazu Ex-Bundesfinanzminister Christian Lindner mit seiner Frau Franca Lehfeldt sowie ein - natürlich falsches - Ultraschallbild eines Babys mit einem nach unten verlaufendem Chart.

Für Lindner geht dieses Cover eindeutig zu weit, sodass er über seinen Medienanwalt Christian Scherz das Frankfurter Satire-Magazin abmahnen ließ und fordert, die Titelseite nicht mehr weiterzuverbreiten oder weiterverbreiten zu lassen. Es handle sich um eine "grundlose und auch bezugslose falsche Unterstellung eines gewollten Abbruchs werdenden Lebens", wird Lindners Anwalt in der "FAZ" zitiert.

Bei "Titanic" ist man offenbar nicht gewillt, dieser Unterlassungsaufforderung nachzukommen und sieht es viel mehr als Chance, PR in eigener Sache zu machen - ganz nach dem Motto "Verkaufsverbote sind nur dornige Abowerbungen", so die Geschäftsführerin Sandra Thoms. In einer Pressemitteilung äußert sich "Titanic" zu der Abmahnung durch den "überzeugten Free-Speech-Befürworter Lindner".

"Die Redaktion freut sich, wenn sich Ruheständler dank 'Titanic' nicht langweilen müssen. Prozesshanselei ist ein beliebtes, urdeutsches Hobby, und unsere Gerichte sind bekanntermaßen ohnehin nicht ausgelastet", spottet "Titanic". Auch wenn der Verlag soeben eine Schuldenbremse beschlossen habe, sehe man der Schmerzensgeldforderung gelassen entgegen: "Würde ein Schmerzensgeld verhängt, kämen ja 5 Prozent Zinsen über dem Basiszinssatz dazu – und dass ein FDP-Politiker fünf Prozentpunkte erzielt, ist derzeit unwahrscheinlich." Man wolle versuchen, den Prozess vor dem Landgericht Sylt verhandeln zu lassen, "weil es dort gratis Sekt und Krabbenbrötchen in der Kantine gibt".