Es ist ein festes Fernseh-Ritual: Jahr für Jahr lassen die Öffentlich-Rechtlichen für einige Tage die Narren auf die Zuschauer los - mit Gardetanz, Büttenreden und Narrhallamarsch sind den Sendern damit regelmäßig gute Quoten sicher. Junge Zuschauer lassen sich allerdings nur schwer für die oft reichlich angestaubten Fastnachts-Shows gewinnen, was übrigens auch ein Grund dafür ist, dass sich die Privatsender inzwischen komplett von Karnevalssitzungen in ihren Programmen verabschiedet haben. Selbst bei RTL als Kölner Sender heißt es schon seit Jahren nicht mehr "Kölle Alaaf".
Und so sind die Karnevalssitzungen inzwischen eine komplett öffentlich-rechtliche Bastion geworden, die allerdings im Laufe der Zeit viel von ihrem Glanz verloren hat. Alleine in den vergangenen beiden Jahren scheint vielen Zuschauern das Lachen vergangen zu sein: Erreichten 2010 noch sieben Übertragungen mehr als fünf Millionen Zuschauer, so waren es im vergangenen Jahr bereits nur noch drei. In diesem Jahr zeigte der Trend noch einmal spürbar nach unten: Einzig "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" - der älteste Karnevals-Klassiker im Programm - schaffte noch den Sprung über die Marke von fünf Millionen Zuschauern.
Doch selbst "Mainz bleibt Mainz" präsentierte sich 2012 so schwach wie nie: Mit 5,86 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 20,8 Prozent erwies sich die Live-Übertragung am Freitag vor Rosenmontag zwar einmal mehr als Quoten-Garant, doch im vergangenen Jahr hatten rund 600.000 Zuschauer mehr eingeschaltet. Wie kräftig die Mainzer Narren an Zugkraft verloren, zeigt der Blick ins Jahr 2005: Damals konnten sich noch knapp acht Millionen Zuschauer für die Sitzung erwärmen, ein Jahr später waren es immerhin noch rund sieben Millionen. Nach den Mainzern waren in diesem Jahr die Kölner am gefragtesten: "Typisch Kölsch" verzeichnete im ZDF im Schnitt 4,94 Millionen Zuschauer und konnte gegen den Trend sogar Zuschauer hinzugewinnen.
Auch die im Ersten ausgestrahlte Sitzung "Düsseldorf Helau" erreichte mit 4,91 Millionen Zuschauern knapp 600.000 Zuschauer mehr als noch vor einem Jahr - im Vergleich zu 2010 schnitt die Show allerdings um rund eine Million Zuschauer schwächer ab. Junges Publikum war hier jedoch wie so häufig Fehlanzeige: Von den knapp fünf Millionen Zuschauern waren gerade mal 340.000 zwischen 14 und 49 Jahre alt, der Marktanteil lag in dieser Altersgruppe bei schwachen 2,5 Prozent. Im Schnitt erreichten die zehn ausgestrahlten Karnevals-Shows in diesem Jahr bei den 14- bis 49-Jährigen übrigens gerade mal rund dreieinhalb Prozent Marktanteil.
Sender |
Datum | Zuschauer (gesamt in Mio.) |
Vergleich 2011 |
|
Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht |
ZDF | 17.02. | 5,86 |
6,46 |
Typisch Kölsch |
ZDF |
07.02. | 4,94 |
4,56 |
Düsseldorf Helau |
Das Erste |
15.02. | 4,91 | 4,30 |
Mer losse dr Dom in Kölle |
ZDF | 16.02. | 4,65 | 5,38 |
Karneval in Köln | Das Erste | 20.02. | 4,57 | 4,93 |
Karneval Hoch Drei |
ZDF | 14.02. | 4,24 | 5,47 |
Wider den tierischen Ernst |
Das Erste |
30.01. | 4,10 | 4,63 |
Frankfurt Helau |
Das Erste |
02.02. | 4,01 | 4,16 |
Fastnacht in Franken |
BR | 10.02. | 3,64 | 3,52 |
Bütt an Bord |
Das Erste |
11.02. | 3,56 | 4,26 |
Quelle: DWDL.de-Recherche
In dieser jungen Zuschauergruppe gab es diesmal einen Wachwechsel: Die traditionell am Rosenmontag im Ersten gezeigte Sitzung "Karneval in Köln" verzeichnete mit 580.000 Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren den größten Zuspruch und lag somit noch knapp vor "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht", die im Gegenzug mit 5,2 Prozent mit minimalem Vorsprung den besten Marktanteil verbuchte. Das jüngste Publikum aller Sitzungen erreichte jedoch ausgerechnet jene Show, die nur im Bayerischen Fernsehen zu sehen war: "Fastnacht in Franken". Von den 3,64 Millionen Zuschauern, die in diesem Jahr zusahen, waren immerhin 540.000 zwischen 14 und 49 Jahre alt - das waren fast genauso viele junge Zuschauer wie das ZDF mit seinem Mainzer Klassiker erreichte.
Das Zweite verzichtete in diesem Jahr übrigens auf die Ausstrahlung jener Karnevalsshow, die noch 2010 bei den jüngeren Zuschauern den höchsten Marktanteil verzeichnete - "Karnevalissimo" befand sich diesmal gar nicht im Programm. Doch die Narren im Land müssen sich nicht sorgen: Alleine im Ersten und im ZDF waren 2012 insgesamt neun Shows zu sehen, von den zahlreichen Sitzungen in den Dritten Programmen ganz zu schweigen. Die Lust auf Karneval dürfte somit auch diesmal wieder über die Maßen gestillt worden sein. Festzuhalten bleibt allerdings auch: Auch wenn sie nach wie vor verlässliche Quotenbringer sind - so gering wie diesmal war das Interesse an den Narren im Fernsehen noch nie.
Gut möglich also, dass die Öffentlich-Rechtlichen an den Stellschrauben ihrer Sitzungen drehen müssen, wollen sie auf Dauer gesehen neue Zuschauer dafür begeistern. Für alle Fastnachts-Muffel gilt bis dahin jedoch wie üblich: An Aschermittwoch ist alles wieder vorbei.