Herr Ebel, seit über 25 Jahren berichten Sie von der Rennstrecke. Wie groß war eigentlich die Sorge, dass plötzlich mit der Formel 1 Schluss sein konnte?
Ich war nie über die Maßen nervös, wie ich es vielleicht hätte sein müssen. Die Formel 1 hat immer gewusst, was sie an RTL hat – und umgekehrt. Einen größeren Schrecken habe ich bekommen, als RTL in den 90ern die Bundesliga-Rechte verloren hat. Da dachte ich mir, oh Gott, jetzt haben wir ja gar nichts mehr. Da ging's dann aber eigentlich erst richtig los mit Sport und Formel 1. Am Ende waren die Sorgen umsonst. Vermutlich sehe ich auch deshalb alles heute etwas entspannter.
Im Sportbereich ist es nicht ungewöhnlich, dass Kommentatoren oder Moderatoren den Sender wechseln. Sie hingegen stehen für die Kontinuität. Wie wichtig ist Ihnen das Gefühl, in diesem Umfeld zu arbeiten?
Das vertraute Umfeld ist mir extrem wichtig. Im Laufe der Jahre sind ganz viele Familienmomente entstanden. Man darf nicht vergessen, 25 Jahre sind ein langer Abschnitt, auf dem man viel Zeit außerhalb der eigenen vier Wände verbringt. Da muss ich mich also zwangsläufig ein Stück weit wie zu Hause fühlen. Das geht damit los, dass ich versuche, an den gleichen Orten immer die gleichen Hotels zu buchen, weil das auch etwas von Vertrautheit und Heimat hat. Genauso ist das mit den Kollegen. Mit meinem Kameramann, der mich immer noch begleitet, habe ich mein erstes Rennen gemacht.
Muss man dann nicht aber auch aufpassen, dass man nicht in gewisse Routinen verfällt?
Routine kann ja ebenso positiv wie negativ sein. Es liegt an jedem selbst, wie man das auslegt. Für mich persönlich ist der Begriff ganz klar positiv belegt. Das ist gewissermaßen wie bei einem Zauberer, der immer wieder seine Tricks macht. Sie gelingen ihm dann am besten, wenn er routiniert ist.
Wie sieht Ihr persönlicher Trick aus, den Sie über die Jahre entwickelt haben, um dem einen oder anderen Sportler etwas Überraschendes zu entlocken?
Vermutlich ist mein Trick die Leidenschaft, die ich noch immer für den Job mitbringe. Wenn ich etwas nicht mit Leidenschaft mache, dann kann ich es auch ganz sein lassen. Solange ich Spaß an dem habe, was ich tue, kann doch gar nichts schiefgehen. Nehmen Sie Günther Jauch, der macht seit 20 Jahren "Wer wird Millionär?". Da würde es sicher genug Leute geben, die längst das Handtuch geworfen hätten, weil ihnen nichts mehr einfällt. Aber er versteht es auch nach all den Jahren immer noch, für besondere Momente zu sorgen.
Woher rührt eigentlich Ihre Begeisterung für hohe Geschwindigkeiten und fliegende Fäuste? Immerhin werden Sie von diesem Samstag an zusätzlich für Sport1 als Moderator beim Boxen zu sehen sein.
Die Formel 1 ist eher eine gewordene Liebe. Damit hatte ich zunächst gar nichts zu tun. Ich bin nicht am Nürburgring aufgewachsen, bin auch kein Möchtegern-Rennfahrer. Nur waren bei RTL plötzlich die Bundesliga-Rechte weg und dann kam da eben die Formel 1. Gleich beim ersten Rennen spürte ich, was das für ein Riesenereignis ist und welche Möglichkeiten sich vor der Kamera bieten. Über diese Begeisterung entstand nach und nach mein Interesse. Den Boxsport habe ich dagegen schon immer geliebt. Ich bin wie so viele meines Alters mit Muhammad Ali und Mike Tyson aufgewachsen. Deren enorme Leistungen und ihr Umgang mit psychischen und physischen Belastungen haben mich stets fasziniert.
Die Hochphase des Boxens scheint dennoch ein bisschen vorbei zu sein, zumindest in Deutschland. Worauf führen Sie das zurück?
Das deutsche Publikum ist erfolgsverwöhnt und möchte Helden sehen. Henry Maske und Axel Schulz sind die besten Beispiele dafür, aber auch die Klitschkos haben die Zuschauer begeistert, weil sie einen deutschen Bezug haben. Allerdings bin ich der Meinung, dass Boxkämpfe immer funktionieren – alleine schon wegen der Einfachheit der Regeln und der Tradition der Sportart. Bei Sport1 haben wir jetzt die Möglichkeit, den Menschen aufzuzeigen, wie ehrlicher Boxsport aussieht und ihnen diesen schmackhaft zu machen. Wir wollen zeigen, dass es auch Spaß machen kann, jungen Talenten dabei zuzuschauen, wie sie sich entwickeln.
Und in Köln hat man nichts dagegen, wenn Sie nun auch woanders zu sehen sind?
Netterweise haben meine Chefs bei RTL mir die Erlaubnis für die neue Aufgabe gegeben. Für mich schließt sich da auch ein wenig der Kreis, denn Sport1 macht bei seinen Box-Übertragungen nun mit vielen Menschen etwas, die früher schon bei den Box-Übertragungen von RTL zu sehen und zu hören waren. Zum Beispiel ist Tobias Drews wieder mit dabei, der jetzt nicht nur kommentiert, sondern auch das gesamte Boxprojekt leitet. Wahrscheinlich kam man deshalb wohl auch irgendwann auf mich. (lacht)
Was ist anders im Vergleich zu dem, wie früher das Boxen übertragen wurde?
Bei Sport1 bereiten wir quasi ein komplettes Menü vor – mit Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise, während wir damals im Prinzip nur darauf bedacht waren, einen tollen Hauptgang zu servieren.
Herr Ebel, vielen Dank für das Gespräch.