Sie waren lange Mitglied der Lach- und Schießgesellschaft – gute Zeiten für das politische Kabarett?

Ich habe gerade mit Bruno Jonas gesprochen, der mir sagte, dass er in Berlin ausverkauft sei. Eine Zeit lang hieß es, dass die Leute nicht mehr kommen, wenn du nicht im Fernsehen auftrittst. Das ist gerade anders, weil die wir in einer ungewissen Zeit leben. Ich habe das 1982 bei der Lach und Schieß schon einmal erlebt, als es eher vor sich hin dümpelte. Es lief, aber es rannte nicht. Und plötzlich schmiss Genscher hin, Herr Schmidt musste gehen und dieser große dicke Mann aus Rheinland-Pfalz übernahm. Es war von heute auf morgen in Regensburg im Audimax der letzte Platz ausverkauft.

In Amerika ist "Saturday Night Live" so erfolgreich wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Die Leute wollen es wieder wissen! Auch hierzulande beziehen viele Leute ihr eigentliches politisches Wissen aus der "heute-show". Gott sei Dank sitzt da mit Olli, den ich ja noch aus "7 Tage – 7 Köpfe"-Zeiten kenne, ein Mann, der da auch hingehört. Der sieht so aus, als käme er beim ZDF aus der Datenverarbeitung, und vermittelt die Inhalte auf die idealste Weise.

Aber wie ist es generell ums politische Kabarett im Fernsehen bestellt?

Da werden mir jetzt viele an die Gurgel springen, aber: Das Kabarett ist kein Genre fürs Fernsehen. Dieter Hildebrandt war im Fernsehen nie so gut wie er es auf der Bühne war. Ich erinnere mich an Helmut Oeller, einen konservativen Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks, der noch heute dafür bekannt ist, den "Scheibenwischer" abgeschaltet zu haben. Dieser Herr Oeller hat etwas Wahres gesagt: Kabarett sei etwas für den kleinen Kreis, Fernsehen sei zu groß und weit und besitze weder die Intimität noch die richtige Zielgruppe. Er sagte das von einem anderen Standpunkt aus, aber inhaltlich hatte er völlig recht. Man bekommt im Fernsehen nie diese Stimmung vermittelt, weil Kabarett im Fernsehen immer abgefilmtes Theater ist. Das ist, wenn Sie so wollen, das unmodernste Fernsehen der Welt. Wenn ich bei der "Anstalt", bei der ich zwei Mal sehr gerne mitgewirkt habe, diese dramaturgischen Übergänge sehe, dann tut das manchmal schon sehr weh.

Fehlt dennoch heute so etwas wie "7 Tage – 7 Köpfe"?

Der Stammtisch als solcher ist aus der Mode gekommen. Das war, als wir es machten, in Ordnung – genauso wie auch der "Blaue Bock" mal seine Zeit hatte. Aber so könnte man es heute nicht mehr machen wie damals, sondern müsste eine solche Show flexibler gestalten. Es darf nicht sein, dass die Mitwirkenden ihre Erbhöfe bekommen und in jeder Sendung als eigener Schwager, Tante Finchen oder Vetter Hein Spack auftreten. Das macht so ein Format mit der Zeit lahm. Deshalb muss man sehr aufpassen.

Hat es Sie damals traurig gemacht, als die Sendung zu Ende ging?

Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon gekündigt, weil ich mit meinem Renteneintritt keine wöchentliche Sendung mehr machen wollte, bei der der Sender darauf achtet, dass vor dem Fernseher keiner über 49 ist. Hätte ich für eine weitere Staffel unterschrieben, dann hätte ich ein Ausfallhonorar bekommen – das ist etwas mehr gewesen als ein Übergangsgeld eines Ministers. Aber es war letztlich gut, die Entscheidung selbst getroffen zu haben.

"Ich möchte auf dem Boulevard keine junge Geliebte mehr angedichtet bekommen."
Jochen Busse

Aber dennoch fangen Sie jetzt noch eine Rolle an. Aufs Aufhören haben Sie also eigentlich gar keine Lust?

Mein Beruf macht mir einfach Spaß, vor allem, wenn man mit motivierten Kollegen zusammenarbeitet. Wenn ich Kollegen dabei habe, die es nicht so gerne machen und bloß auf ihre Rentendaten schielen, dann versuche schon, die auch loszuwerden.

Es gibt kein Alter in Ihrem Beruf?

Doch, das gibt es. Es gibt ein geschmackliches Alter. Ich möchte auf dem Boulevard keine junge Geliebte mehr angedichtet bekommen, das finde ich unästhetisch. Das haben viele Schauspieler ewig gemacht. Als Herr Juhnke schon nicht mehr ansehnlich war, bekam er trotzdem immer die Hübscheste. Das will ich nicht für mich. Und ansonsten gibt es ein Alter, in dem das Hirn nicht mehr mitmacht. Weil ich privat viel Yoga mache, bin ich geistig noch immer gut dabei. Über den Tisch springe ich aber nicht mehr. Danach muss man sich die Rollen aussuchen oder schreiben lassen.

Gibt es etwas, bei dem Sie rückblickend sagen, dass Sie das besser nicht gemacht hätten?

Oh, vieles. (lacht) Bei manchen Sachen war ich vorher allerdings skeptisch und später froh, sie gemacht zu haben. Ich war immerhin der erste nackte Mann im deutschen Film. Da haben mich viele im Vorfeld gefragt, ob ich dafür Schauspieler geworden bin. Aber angezogen hätte ich die Rolle eben nicht bekommen. (lacht)

Und wann haben Sie die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen?

Als ich die erste "7 Tage – 7 Köpfe"-Sendung hinter mir hatte, habe ich gedacht, das hätte ich nicht machen sollen. Das war ja eine Katastrophe! Die Sendung ist wirklich durch den Schnitt gerettet worden. Karl Dall sagte bei jeder Gelegenheit: "Der Moderator schwimmt!". Und Hellmuth Karasek distanzierte sich noch während der Sendung von der Sendung, für die er verpflichtet war. Da sagte ich wörtlich zu mir: "Das ist dein Waterloo" – und ich gehöre zu den Leuten, die wissen, was das ist. Ich hielt das auch nicht für meinen Beruf, sondern bloß für ein Abfallprodukt dessen. Aber Rudi fand die Sendung sensationell. Und die Zuschauer auch – mit zweieinhalb Millionen Zuschauern hatten sie bei RTL gerechnet, dreieinhalb Millionen waren es aus dem Stand. Mit der Zeit hat sich das alles dann glücklicherweise eingegroovt. Sonst hätte ich das kaum zehn Jahre machen können.

Herr Busse, vielen Dank für das Gespräch.