Herr Lukas, in einem neuen ZDF-Film verkörpern Sie den legendären Showmaster Hans Rosenthal. Wie präsent er war Ihnen eigentlich früher? 

Bevor ich mich für den Film mit Hans Rosenthal beschäftigt habe, wusste ich nicht viel über ihn. Als Kind durfte ich damals eher selten fernsehen und Videorekorder gab es in Ostberlin nicht. Woran ich mich eher erinnern kann, ist das familiäre Erlebnis am Samstagabend. Da hatten wir erst Frank Elstner und dann Thomas Gottschalk geschaut. Auch Rosenthals Radiosendungen waren mir früher nicht sonderlich präsent, obwohl ich auch den Rias gehört habe, wo er ja unfassbar erfolgreich war. Mich haben damals allerdings eher die Jugendsendung und die Popmusik interessiert. 

Wie haben Sie sich Hans Rosenthal genähert?

Ich habe viele Filme gesehen und viel gelesen. Nicht nur über sein Leben, sondern auch über das Nachkriegsdeutschland im Allgemeinen und die Positionen jüdischer Überlebender in dieser Zeit. Nach all den Jahren mit der Beschäftigung der DDR-Geschichte war das für mich als Ostberliner noch einmal ein ganz neues Kapitel.

Der Film beschränkt sich allerdings nur auf einen sehr kurzen Zeitraum.

Wir erzählen eigentlich nur über eine einzige Sendung, nämlich jene, die am 9. November 1978 stattfand. Der Tag, an dem die Bundesrepublik zum allerersten Mal überhaupt offiziell der Reichspogromnacht gedacht hat. Rosenthal geriet dadurch in einen sehr ernsthaften Konflikt, weil er bis dato versuchte, seine beiden Leben möglichst auseinanderzuhalten. Das war aber plötzlich nicht mehr möglich, weil an diesem Tag seine jüdische Vergangenheit, das Verstecken, die Deportation seines Bruders, der Tod seiner Eltern und eben diese unglaublich erfolgreiche Karriere im Nachkriegsdeutschland, die über alles einen Mantel des Schweigens deckte, zusammenkam. Er hat die Sendung dann zwar gemacht, aber versucht, möglichst respektvoll mit diesem Tag umzugehen. Die Musik war nicht so unterhaltsam wie sonst, er trug einen schwarzen Anzug und hat, anders als sonst, sogar auf seinen legendären "Spitze"-Sprung verzichtet. Das war gewissermaßen sein Weg, damit umzugehen. Wir versuchen also zu erzählen, was ihn angetrieben hat und in welchen Gewissenskonflikten er sich befand. 

Rosenthal © ZDF / Ella Knorz Hans Rosenthal (Florian Lukas, r.) reist zum ZDF nach Mainz, um den Showleiter Dr. Hummel (Hans-Jochen Wagner, l.) um die Verlegung von "Dalli Dalli" am 9. November 1978 zu bitten.

Auch Hans Rosenthals Kinder waren in den Film involviert. Wie lief der Austausch? 

Die Begegnungen waren eine unglaubliche Bereicherung. Einmal waren sie sogar beim Dreh zu Besuch. Ich hatte allerdings nie das Gefühl, dass uns da jemand auf die Finger guckt. Es war eher eine wohlwollende Begleitung – verbunden mit dem Wunsch, sich durchaus differenziert zu erinnern. Für mich war es sehr interessant, mit den Kindern, deren Vater ich spiele, die ja nun wirklich eine ganze Reihe älter sind als ich, über ihren Vater und ihr Verhältnis ins Gespräch zu kommen. Nicht alles davon ist in den Film eingeflossen, manche Sachen haben wir subtil versucht unterzubringen.

Zum Beispiel? 

Dass es durchaus ungeduldige Momente gab. Dass er Leuten auf die Nerven gegangen ist, auch mit seinem Perfektionismus. Den kann man durchaus erzählen, vor allem, wenn man versucht nachzuspüren, dass dahinter eine existenzielle Not bestand. Ich glaube schon, dass ihn der Glaube, dass ihn seine Beliebtheit bei den Menschen in gewisser Weise vor einer Wiederholung dessen schützt, was er als Kind und Jugendlicher erlebt, geholfen hat, diese große Karriere zu machen.

Im vergangenen Jahr haben Sie auch "Messiah Superstar", eine neue Mockumentary für Joyn, gedreht. Darin spielen Sie einen abgehalfterten Star der 90er Jahre. Größer könnte der Kontrast nicht sein. Wie schwierig ist es eigentlich, sich als Schauspieler ein solches Spektrum zu bewahren? 

Ich weiß es nicht; vielleicht ist es Glück. Ich versuche einfach, mich so wenig wie möglich zu wiederholen. Außerdem hilft es, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ich gerne mag, die mich inspirieren und die vor allem mehr können als ich selbst. 

Herr Lukas, vielen Dank für das Gespräch.

"Rosenthal", am Montag, den 7. April um 20:15 Uhr im ZDF und schon jetzt online