Das Geschäft mit der Liebe © ATV
Nachdem wir bereits zuletzt über den Wirbel rund um das Reality-Format "Das Geschäft mit der Liebe" berichtet hatten, zieht ATV nun weitere Konsequenzen. So hat man alle Ausgaben der laufenden Staffel offline genommen sowie die Ausstrahlung weiterer Folgen ausgesetzt, das Format wurde aber ausdrücklich nicht beendet. ATV will nun seine bestehenden internen Leitlinien und Kontrollmechanismen zur "Sicherung ethischer Standards" überarbeiten. Sobald die neuen Richtlinien vorliegen, werden alle Folgen der aktuellen Staffel geprüft und gegebenenfalls überarbeitet. Außerdem will der Sender eine zusätzliche redaktionelle Qualitätskontrolle für Unterhaltungsformate einführen.

Thomas Gruber © Moni Fellner
ATV-Chef Thomas Gruber, der gleichzeitig auch Co-CEO der ProSiebenSat.1Puls4-Gruppe ist, räumte ein, dass Fehler bei dem Format gemacht worden seien, außerdem entschuldigte er sich. Gruber: "Wir nehmen die Kritik ernst und möchten uns ausdrücklich dafür entschuldigen, mit einer Reihe zu Recht kritisierter Szenen die Grenzen des ethisch Vertretbaren überschritten zu haben. Aus diesem Anlass werden wir unsere internen Richtlinien und Prozesse entsprechend verbessern. ATV wird weiterhin ein Sender für breitentaugliche, provokative und emotionale Unterhaltungsformate bleiben. Doch wir werden künftig klarere Grenzen setzen, welche Inhalte vertretbar sind. Unterhaltung darf keinesfalls menschenverachtendes und frauenfeindliches Verhalten fördern." Man sei immer bereit, aus Fehlern zu lernen, so Gruber weiter. "Die Umsetzung der nun beschlossenen Maßnahmen wird unterschiedlich lange dauern, aber aus eigenem Interesse von uns mit Nachdruck betrieben werden", sagt Gruber. Zuletzt äußerte sich aber auch schon der neue Medienminister Andreas Babler kritisch zum Format. 

Geldscheine © Chobe / photocase.com
Der ORF hat zum zweiten Mal eine Liste der Personen veröffentlicht, die im Unternehmen mehr als 170.000 Euro brutto verdienen. Wie schon 2023 war auch im vergangenen Jahr Moderator Robert Kratky der bestbezahlte ORF-Mitarbeiter, er kam auf etwas mehr als 470.000 Euro. Dahinter folgten erneut Pius Strobl (Projektleiter Medienstandort) und Generaldirektor Roland Weißmann mit rund 450.000 und 427.000 Euro. Weitere Top-Verdiener sind die ORF-III-Chefs Peter Schöber und Kathrin Zierhut-Kunz, sowie die verschiedenen Direktoren. Bestbezahlter ORF-Journalist war Armin Wolf mit 266.855 Euro. Veröffentlicht hat der ORF auch die Information, wie viel Nebeneinkünfte die Spitzenverdiener hatten. Hier kam Moderator Andi Knoll auf den höchsten Betrag. Neben seinem Jahresgehalt in Höhe von 196.834 Euro kommen monatlich noch rund 9.800 Euro hinzu. Schon 2023 war Knoll die Person mit den meisten Nebeneinkünften (DWDL.de berichtete). Eine vollständige Liste der ORF-Spitzenverdiener hat "Der Standard" hier veröffentlicht

Andreas Babler © Parlamentsdirektion/Thomas Topf Andreas Babler
Die Veröffentlichung der Spitzenverdiener im ORF hat erwartbar zu einigen Reaktionen geführt. Der neue Medienminister Andreas Babler, gleichzeitig auch Chef der Sozialdemokraten, erklärte, dass er sich "Maßnahmen bei den ORF-Spitzengehältern" erwarte, bevor Leistungen gekürzt, Programme ausgedünnt oder eingeschränkt oder auch junge Mitarbeitende gekündigt würden. "Es ist klar, dass es marktkonforme Gehälter geben muss. Warum es beim ORF Spitzenverdiener:innen gibt, deren Gehalt höher ist als jenes des Bundespräsidenten, während gleichzeitig Leistungskürzungen für das Publikum in den Raum gestellt werden, ist nicht nachvollziehbar", so Babler, der kurioserweise auch "mehr Transparenz bei den ORF-Gehältern" forderte. Im deutschsprachigen Raum muss mit Ausnahme des ORF kein öffentlich-rechtlicher Sender entsprechende Gehaltslisten veröffentlichen. ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti sagte: "Wenn ein Unternehmen sich leisten kann, dass es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt, die mehr verdienen als der Bundespräsident, kann auch der ORF einen Beitrag zur Budgetsanierung leisten. Immerhin wird der ORF auch von den Bürgerinnen und Bürgern bezahlt, die häufig auch in anderen Bereichen Einsparungen vornehmen müssen." 

ORF © ORF
Dass der ORF bis 2029 noch einmal 220 Millionen Euro einsparen muss, weil der ORF-Beitrag eingefroren wird, hatten wir bereits berichtet. Und weil die Bundesregierung die Beitragseinnahmen jetzt kurzerhand auf 710 Millionen limitiert und dem ORF den Zugriff auf ein Sperrkonto blockiert hat, hat das Unternehmen wohl noch einmal 100 Millionen Euro weniger zur Verfügung. Nun soll es nach Angaben der Tageszeitung "Kurier" ein Handshake-Programm geben. Vor allem älteren und gut verdienenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern soll so der Abschied aus dem Konzern versüßt werden. Der "Kurier" spricht von 350 Personen, denen ein entsprechendes Angebot gemacht werden soll. 

© ORF/Thomas Ramstorfer
Nachdem aufgrund einer Bombendrohung zuletzt einige Programme im ORF ausgefallen waren (DWDL.de berichtete), kam es jetzt erneut zu einem Polizeieinsatz auf dem Wiener Küniglberg. Anders als im ersten Fall war es ein harmloser Anlass: Ein Mann hatte in der vergangenen Woche kommentarlos einen Brief in der Pförtnerhäuschen des ORF geworfen, ein Mitarbeiter alarmierte daraufhin die Polizei. Als diese den Brief öffnete, fanden sie darin allerdings nur ein Bewerbungsschreiben. ORF-Mitarbeiter scherzten daraufhin, dass es so mit einer Anstellung wohl schwierig werden würde. 

Justizia © Photocase
Weil der Verfassungsgerichtshof Teile des ORF-Gesetzes als verfassungswidrig aufgehoben hatte, musste der Gesetzgeber bis Ende März nachbessern. Wegen der Nationalratswahl und der langen Regierungsbildung verzögerte sich das alles, kurz vor knapp haben ÖVP, SPÖ und Neos die Reform aber doch noch durchgebracht. Die ist allerdings eher eine Minimallösung, der Politik-Einfluss in den Gremien des ORF wird nicht entscheidend verringert. Konkret sieht die Reform vor, dass neue Bundes- und Landesregierungen sowie der Publikumsrat ihre in den Stiftungsrat entsandte Personen nicht mehr vorzeitig abberufen dürfen. Das Gremium besteht derweil weiterhin aus 35 Mitgliedern, künftig entsendet die Bundesregierung aber nur noch sechs statt neun Personen. Neun statt sechs Mandate vergibt der Publikumsrat, in dem die Bundesregierung die Hälfte der Mitglieder bestimmt. Die Stiftungsratsmandate der Bundesregierung sollen künftig außerdem öffentlich ausgeschrieben werden. 

Österreich in Zahlen

Café Puls © ProsiebenSat1Puls4
ProSiebenSat.1Puls4 hat im März einen ganz besonderen Erfolg gefeiert. Das Frühstücksfernsehen "Café Puls" erzielte 35,8 Prozent Marktanteil in der klassischen Zielgruppe der 12- bis 49-Jährigen, für das Format war es der erfolgreichste Monat in der mehr als 20-jährigen Geschichte. Die Sendung wird werktags sowohl bei Puls 4 und Puls 24 als auch bei Sat.1 Österreich und ProSieben Austria gezeigt. Seit diesem Jahr begrüßen die Moderatorinnen und Moderatoren die Menschen aus einem neuen Studio, darüber hinaus gibt es einige neue Rubriken. 

Puls 4 © Puls 4
Ansonsten lief es vor allem gut für Puls 4, das sich im März auf 4,9 Prozent Marktanteil steigern konnte. Für ATV ging es dagegen auf 3,6 Prozent hinab. Dazwischen positionierte sich ServusTV, das auf 4,5 Prozent kam. Insgesamt blieb ServusTV mit 4,7 Prozent Marktanteil der stärkste Privatsender und feierte gleichzeitig den erfolgreichsten März seiner Geschichte beim Gesamtpublikum. Richtig stark unterwegs war auch oe24.TV, der Sender der Mediengruppe Österreich konnte sich auf 2,4 Prozent mehr als verdoppeln

ORF 1 © ORF
Größter Sender ist und bleibt ORF 2, das im März auf 20,9 Prozent kam. Für ORF 1 lief es ebenfalls gut, der Sender erzielte 12,6 Prozent und feierte so den höchsten März-Wert seit 2017. Die gesamte ORF-Gruppe erreichte im dritten Monat des Jahres 36,2 Prozent Marktanteil, was der höchste März-Wert seit zehn Jahren ist. In der vergangenen Woche erreichten im ORF-Universum neben den Nachrichten auch "SOKO Donau" und "Dancing Stars" extrem hohe Reichweiten.