Ein Gastbeitrag von Sabine de Mardt, Geschäftsführerin der Gaumont GmbH. Sie ist Mitglied im Gesamtvorstand der Produktionsallianz und Vorsitzende der Regionalgliederung NRW.

Noch seid Ihr erst knackige 25, aber die 30 ist nicht mehr fern. Und wir zählen auf euch, die ihr uns immer nah begleitet und umarmt.

Wünsche sind Hoffnungen für eine positive Zukunft. Was wird kommen? Ein Versuch. 2031.

Die Branche war in Bewegung, hat sich gebündelt, getrennt, wurde zwischendrin für tot erklärt. Nur das Kölsche Grundgesetz läuft weiterhin ohne Abo und Werbeunterbrechung.

§1 Et es wie et es. Das lineare Fernsehen gibt es noch - liebevoll gepflegt, erstaunlich profitabel, gelegentlich hip. Weltmeisterschaften, Wahlabende, Wetterkatastrophen – der Rest liegt in der Mediathek. Um 20:15 Uhr passiert immer noch etwas. Nur schaut es niemand mehr um 20:15 Uhr.

§2 Et kütt wie et kütt. Die große Streaming-Revolution endete dort, wo sie begann: bei einem Bundle, das ungefähr so viel kostet wie früher Kabel, mit hunderten Titeln in der Programmübersicht. Und der Abend beginnt weiter mit der Frage, was man nun schauen soll. Fünfzehn Jahre Disruption und am Ende scrollt man wieder. Dafür haben sich die Streamer vom ÖR abgesetzt: sie machen jetzt Procedurals.

§3 Et hätt noch emmer jot jejange. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde reformiert, die Reform beklagt, die Reform reformiert. Die Mitglieder der eingesetzten Untersuchungskommission urteilen über die Reformkommission einstimmig, dass die Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gelungen sei. ARD und ZDF senden weiter, schlanker, digitaler und mit deutlich weniger Gremien. Irgendwie ging es gut. Zum Glück. Bis zur nächsten Reform, für die gerade eine Kommission gegründet wird.

§4 Wat fott es, es fott. Verschwunden sind: die Fernsehzeitung, die Quote als einzige Währung und jene Programmverantwortlichen, die Social Media nur für einen Talentpool hielten. Auch weg: die Ausrede, man habe das alles nicht kommen sehen. Doch, hat man. Es stand 2026 in diesem Fachdienst.

§5 Et bliev nix wie et wor. Fehlende KI-Regulierung ist Geschichte. Der KI-TÜV schafft Sicherheit und die neuen EU-Richtlinien für „Nutzerdaten für Alle“ sind ein Game Changer für die Branche und deren Kooperationen.

§6 Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet. Der Satz von 2026, mit dem verbindliche Investitionsquoten als „Planwirtschaft" und die Rechteteilung mit Produzentinnen gleich mit abmoderiert wurden. Heute sind dieselben Häuser stolz, wie viel sie in europäische Produktion investieren und die Produktionslandschaft schafft endlich eine auffindbare Eigenkapitalquote, derweil ein neues Steueranreizmodell eine zuverlässige Berechenbarkeit liefert. Die Freude ist allseits groß. Auch Youtube hat sich an einer „GIVE BACK“-Investition in den Markt beteiligt und einer Abgabe in die Fördertöpfe zugestimmt.

§7 Wat wellste maache? Die AVMD-Richtlinie war der Anfang. Europa hat sich zusammengetan und verhandelt inzwischen gemeinsam statt in 27 Einzelgesprächen. Es trägt einen Namen, den niemand ausschreiben kann, aber es steht: gemeinsame Technik, gemeinsame Produktionen, gemeinsame Verhandlungen mit Plattformen, die ihre Zentralen nicht in Europa haben. Und alle finden es gut, auch die Plattformen. Kompliziert, aber endlich Klarheit. Sehr kölsch eigentlich: nit schönn, aber et läuf.

§8 Maach et joot, ävver nit ze off. Läuft gerade: Mainstream-Mania und das Reboot des Spin-offs eines Formats, das schon beim ersten Reboot müde war, jetzt mit interaktivem Ende. Manche Lektionen lernt diese Branche prinzipiell nicht. Vermutlich gehört das zur Artenerhaltung.

§9 Wat soll dä Quatsch? Vollsynthetische Serienuniversen, kuratierte Kanäle beim Streamer, Werbeflächen überall. Auch 2031 braucht es jemanden, der freundlich, aber bestimmt Sinnhaftigkeit hinterfragt. Dreißig Jahre Fachjournalismus sind im Kern dreißig Jahre präzise formulierter Zweifel. Vielen Dank dafür.

§10 Drinkste eene met? Die wichtigsten Deals entstehen weiterhin in Brauhäusern, auf Festivals und in Hotelbars. Kein Modell kann Vertrauen simulieren, kein Avatar ein Kölsch trinken, und niemand hat je einen Vertrag unterschrieben, weil das Dashboard so hübsch war. Die analogste Ressource der Branche ist zugleich ihre letzte unkopierbare.

§11 Do laachs de disch kapott. Humor ist das letzte Alleinstellungsmerkmal. Maschinen können Pointen bauen, aber nicht wissen, warum sie im Saal zündet. Eine Branche, die sich seit Jahrzehnten beim Untergang zusieht und trotzdem jeden Herbst neue Filme, Serien und Shows startet, hat davon glücklicherweise reichlich.

Bleibt Paragraf eins. Et es wie et es: Alles hat sich verändert, nur die Grundregeln nicht. Et kütt wie et kütt – und in fünf Jahren lesen wir hier nach, was davon gestimmt hat.

Und wenn ich mir heute noch etwas wünschen dürfte, dann Respekt, Mut zum Außergewöhnlichen, Sensibilität, Neugier, Offenheit, Wertschätzung und Teamwork. Wir alle brauchen einander und lieben, was wir tun.

Wir feiern euch!

P.S.: Seit 2026 ist ein Erfolgsevent zurück: das DWDL-Schrottwichteln!