Eine neue Auswertung der AGF Videoforschung soll künftig einen detaillierteren Blick auf die Nutzung von TV-Formaten im linearen Programm und im Streaming ermöglichen. Konkret soll ab sofort einmal im Monat eine TV-Konvergenz-Hitliste veröffentlicht werden, die auch die Streaming-Nutzung berücksichtigt, die sich dem jeweiligen Inhalt rund um seinen linearen Ausstrahlungszeitpunkt zuordnen lässt. Damit will die AGF zusätzliche Nutzung sichtbar machen, "die über die alleinige Betrachtung der endgültigen TV-Daten hinausgeht", wie es heißt.
Während die AGF bei der Streaming-Ausweisung bislang auf Netto- oder sogar Bruttoreichweiten setzt, liegen mit den neuen Zahlen nun erstmals auch öffentlich Werte vor, die mit der durchschnittlichen Sehbeteiligung wie man sie von der klassischen TV-Quote kennt, vergleichbar sind und sich somit nun auch zusammenrechnen lassen. Berechnen lässt sich diese Zahl erst 21 Tage nach der TV-Ausstrahlung, weil sie neben der linearen Sehbeteiligung auch die Streaming-Nutzung umfasst, die 14 Tage vor bis zu 13 Tage nach der TV-Ausstrahlung erfolgt. Das bedeutet auch: Wer seine Formate bereits mehr als zwei Wochen vor der linearen Ausstrahlung zum Streamen bereitstellt, hat hier den Nachteil, dass die womöglich hohe Streaming-Nutzung am Anfang nicht in diese Auswertung eingeht.
Die AGF erhebt diese Zahlen schon länger, neu ist, dass man sie nun auch öffentlich zur Verfügung stellt - wenn auch nicht in Gänze, aber immerhin im Rahmen einer monatlichen Top-50-Hitliste, die immer in etwa am 25. des Folgemonats veröffentlicht werden soll. Das Ranking zeigt sowohl die Streaming- als auch die TV-Sehbeteiligung und den sich daraus ergebenden Konvergenzwert an. Sortiert wird das Ranking dabei nach der Sehbeteiligung des Streaming-Abrufs, nicht nach dem Konvergenz-Gesamtwert. Es ist also wenn man so will eine Streaming-Hitliste, keine Konvergenz-Hitliste.
Die AGF weist hier nochmal explizit darauf hin, dass ein Inhalt zwar "streaming-stark" sein kann, insgesamt aber trotzdem weniger Reichweite erzielt als ein stark linear genutzter Inhalt. Ein von der AGF angeführtes Beispiel aus dem April verdeutlicht das. DAZN führt das Ranking mit dem Champions-League-Spiel zwischen Bayern München und Real Madrid an, das 1,239 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer im Streaming erreichte. Bei der konvergenten Nutzung liegt die Partie mit 1,750 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern allerdings deutlich hinter dem ZDF-"Traumschiff". Dieses erreicht dank seiner starken linearen Nutzung insgesamt 5,54 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Weil die Streaming-Sehbeteiligung des "Traumschiffs" jedoch nur 783.000 Zuschauerinnen und Zuschauer beträgt, landet es in der Hitliste lediglich auf dem fünften Rang. Da als Anker die TV-Ausstrahlung dient, finden alle Streaming-only-Inhalte in diesem Ranking keinen Niederschlag - ebenso natürlich wie alle Angebote, die nicht von der AGF gemessen werden.
Wie stark werden Plattformen genutzt?
Spannend ist zudem ein weiteres Ranking, das die AGF künftig monatlich veröffentlichen will. Dabei geht es um die generelle Nutzung der einzelnen Plattformen. So lässt sich künftig besser nachvollziehen, wie intensiv die verschiedenen Angebote genutzt werden. Die neue Performance-Übersicht stellt die Streaming-Nutzung in einer zeitschnittbezogenen Betrachtung dar und weist unter anderem das Nutzungsvolumen, die kumulierte monatliche Nettoreichweite sowie die durchschnittliche Tages-Nettoreichweite aus.
Damit wird es künftig möglich, die Nutzung von RTL+ und Joyn miteinander zu vergleichen oder sie mit den öffentlich-rechtlichen Angeboten und Prime Video ins Verhältnis zu setzen - und zwar endlich auch hinsichtlich der tatsächlichen Nutzungsdauer, nicht nur mit Blick auf die Nettoreichweiten. Nicht enthalten sind allerdings weiterhin Angebote wie Netflix, die sich nach wie vor nicht von der AGF messen lassen.
Mit den beiden neuen Auswertungen erweitert die AGF ihre bisherigen Streamingdaten-Lieferungen, insbesondere die Programmmarken-Hitlisten und die Auswertungen aus AGF Census+, "um zusätzliche Perspektiven auf die Nutzung von Inhalten und Angeboten", wie die AGF mitteilte. Tatsächlich stellt die geplante regelmäßige Veröffentlichung der neuen Hitlisten eine deutliche Verbesserung für die Branche dar, weil sie für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit sorgt. Künftig wird noch klarer sichtbar, wie stark TV-Inhalte auch im Streaming genutzt werden. Angesichts der massiv gesunkenen linearen Reichweiten ergibt sich damit ein umfassenderes und letztlich auch realistischeres Bild der tatsächlichen Nutzung von TV-Inhalten.
Erfüllt wird damit zugleich ein Wunsch der Sender. RTL-Deutschland-CEO Stephan Schmitter hatte sich bereits im Januar 2025 in einem DWDL.de-Interview zunächst für einen Wechsel auf den Marktstandard X+7 stark gemacht, also die Reichweite der TV-Ausstrahlung und Abrufzahlen der ersten sieben Tage zu addieren. Unterstützung erhielt er daraufhin von Henrik Pabst, dem Chief Content Officer von ProSiebenSat.1. "Wir leben schon lange in einer Welt der kombinierten Nutzung aus linearem TV-Programm und On-Demand-Nutzung, was bislang aber nicht hinreichend ausgewiesen und betrachtet wird", sagte Pabst damals. Die neue AGF-Hitliste geht nun sogar noch über diese Idee hinaus, weil sie einen längeren Streaming-Zeitraum als nur sieben Tage umfasst.
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