Ganz so schlimm, wie man hätte befürchten können, ist es nicht gekommen. Um drei Prozent ist das Produktionsvolumen in Deutschland zwischen 2022 und 2024 gesunken, um fünf Prozent die Zahl der aktiven Produktionsfirmen. Das geht aus der jüngsten Studie zur Film- und Fernsehproduktion hervor, mit der die nordrhein-westfälische Staatskanzlei alle zwei Jahre die Marktforscher von Goldmedia beauftragt.
751.432 Programmminuten für TV, Streaming und Kino sind demnach 2024 entstanden, während es auf dem absoluten Peak zwei Jahre zuvor noch 776.749 Minuten waren. Die Anzahl der Produktionsunternehmen beziffert Goldmedia für 2024 mit 721, nachdem es 2023 noch 760 waren. Ein Rückgang in einer Größenordnung, der "für die Branche verträglich" sei, kommentierte NRW-Medienminister Nathanael Liminski bei der Vorstellung der Studie am Freitag in Düsseldorf.
Was den Minister und Chef der Staatskanzlei besonders begeistert, ist der Umstand, dass sein Bundesland die langjährige Spitzenreiter-Position sogar noch ausbauen konnte. 44 Prozent aller Programmminuten entstanden 2024 in NRW. Zwei Jahre zuvor lag dieser Wert bei 42 Prozent. Mit weitem Abstand folgen Bayern mit 19 Prozent und Berlin mit 13 Prozent. Die Produktionsbranche in NRW sei "gut aus den zahlreichen Krisen" gekommen, wertete Liminski. Die Medienpolitik der Landesregierung schaffe "verlässliche Rahmenbedingungen, in denen die Branche erfolgreich wachsen" könne.
Goldmedia-Chef Klaus Goldhammer wies derweil darauf hin, dass sich der deutsche Produktionsmarkt "nach dem Hoch der Vorjahre in einer Phase der Neuordnung" befinde: "Während das Gesamtvolumen leicht rückläufig ist, wächst insbesondere der Bereich der Video-on-Demand-Produktionen weiter und erreicht neue Höchststände. Gleichzeitig konzentriert sich die Produktion zunehmend auf weniger, dafür leistungsstärkere Unternehmen." Drei Produktionsgruppen hat Goldhammers Studie als führend identifiziert – je nachdem, welchen Maßstab man anlegt: Nach Umsatz lag 2024 Leonine Studios mit 378 Millionen Euro vorn, nach Produktionsvolumen Banijay Germany mit 59.658 Minuten und nach Umsatz pro hergestellter Minute Beta Film mit durchschnittlich 57.835 Euro.
Bei weiter steigenden Kosten haben sich die Minutenpreise laut Studie in den letzten Jahren kaum verändert. Die Preisspanne für Serien lag 2024 demnach zwischen 2.000 und 12.000 Euro pro Minute mit einem Durchschnittswert von 6.400 Euro. TV-Movies kosteten zwischen 16.000 und 21.000 Euro pro Minute, Unterhaltungsshows zwischen 2.000 und 7.000 Euro, Talkshows zwischen 2.000 und 3.500 Euro, Doku-Soaps und Factual Entertainment zwischen 700 und 4.000 Euro. Auf Basis der durchschnittlichen Minutenpreise schätzt Goldmedia stets den gesamten Produktionsumsatz im deutschen Markt. Für 2024 waren das 2,86 Milliarden Euro, von denen 1,18 Milliarden in NRW, 551 Millionen in Bayern, 503 Millionen in Berlin und 270 Millionen in Hamburg erwirtschaftet wurden. Traditionell liegt die Dominanz der NRW-Produktionen im Entertainment begründet. Bricht man die Produktionsumsätze nach Genres herunter, so entfallen 916 Millionen Euro allein auf Entertainment made in NRW. Kein anderer Standort kommt hier über ein Fünftel davon hinaus. Umgekehrt sieht es in der Fiktion aus: 149 Millionen Euro in NRW stehen 289 Millionen in Bayern und 252 Millionen in Berlin gegenüber.
Während das Produktionsvolumen für Streaming-Plattformen gegenüber 2022 um 52 Prozent auf 42.064 Programmminuten hochschnellte, wurden davon Goldmedia zufolge 40 Prozent in NRW, 24 Prozent in Bayern, 18 Prozent in Berlin und 8 Prozent in Hamburg produziert. Allerdings bleibt nach wie vor festzuhalten, dass nur ein geringer Anteil des Produktionsvolumens von Streamern beauftragt wird. 93 Prozent aller Programminuten, unterstrich Goldhammer, entstanden auch 2024 noch für deutsche TV-Sender. Auf inländische Streamer entfielen lediglich 5 Prozent, auf internationale Streamer gerade einmal 1,8 Prozent.
Für die nächste Studie in zwei Jahren ist laut Goldhammer ein größeres Minus bei Produktionsvolumen und -firmen zu erwarten, weil dann das Krisenjahr 2025 in die Betrachtung fällt. Für 2026 seien positive Impulse durch mehr Planungssicherheit für Produzenten infolge der gerade von der Bundesregierung beschlossenen Investitionsverpflichtung möglich. Noch viel euphorischer begrüßte Liminski die am Donnerstag in Berlin verkündete Einigung: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sei es gelungen, den gordischen Knoten zu zerschlagen. "250 Millionen Euro fließen nun pro Jahr in deutsche Filme und Serien. Das ist viel Geld und ein starkes Zeichen für die Branche." Es sei auch ein "riesiger Anreiz", nach Deutschland zu kommen und hier zu investieren.
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