Die Unternehmer Hannes Kessel und Jeremy Okoth haben die erfolgreiche Partyspiel-App "Splash" entwickelt und wollen User von Kurzvideos auf die eigene Anwendung weiterleiten. Dafür bespielen die beiden Gründer zusammen mit ihrer Wohngemeinschaft und Mitarbeitenden nicht nur ihre privaten Konten, sondern mehr als zehn Accounts gleichzeitig. Zeitweise war die "Splash-WG" der am stärksten wachsende Account des Jahres, ihre Spielevideos gehen regelmäßig viral. Dabei greifen sie auf Social-Media-Strategien zurück, die in der Branche nur von wenigen Usern durchgehalten werden: mehr als zehn, teilweise über 30 Videos pro Tag – jeden Tag. DWDL.de hat nachgefragt, wie sich das auf ihre Accounts und den eigenen Erfolg auswirkt. 

Hannes und Jeremy, viele User auf Social Media spielen "Imposter" dank euch. Ihr habt aus dem Spiel ein Millionen-Business gemacht. War das von Anfang an euer Ziel?

Hannes: Das hört sich vielleicht wie eine Standardantwort an, aber: Das war nicht von Anfang an unser Ziel. Ehrlicherweise hatten wir gar kein Ziel, sondern einfach nur die Idee, dass es die Spiel-Experience leichter machen würde, wenn es keine Person braucht, die den Imposter auswählt, sondern stattdessen eine App hat, die diese Aufgabe übernimmt. 

Jeremy: Ich würde sagen, es war auf jeden Fall kalkuliert – und niemals anders gedacht. Ja, es war alles super spontan. Es hat sich so ergeben und wir haben schnell reagiert. Und schon an Tag zwei haben wir gemerkt, dass es Potenzial für ein Millionen-Business hat. 

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War das Konzept eigentlich auch eure Idee oder habt ihr euch inspirieren lassen?

Jeremy: Imposter ist ein Spiel, das an sich schon existiert hat, aber wir haben es groß gemacht. Wir haben es neu interpretiert und GenZ-tauglich ausgerichtet. Plus: Wir sind einfach praktischer und kostenlos.

Immer wieder versuchen User, mit Videos Geld zu machen. Nahezu jeder vierte Inhalt auf der Startseite führt zum TikTok-Shop. Was ist das Geheimrezept für ein virales Produkt?

Jeremy: Dass man sein Angebot schon um Social Media rumbaut, sofern man die Möglichkeit hat. Am Ende des Tages ist das Marketing entscheidend darüber, ob eine Firma erfolgreich ist. Wenn man über Social Media das eigene Produkt konstant gegentestet und weiterentwickelt, hat man die perfekte Mischung.

Hannes: Ein Geheimtipp wäre also zu schauen, was auf Social Media funktioniert, und dann daraus ein Produkt zu bauen - und nicht ein Produkt zu bauen und zu gucken, wie ich das auf Social Media groß machen kann.

Bezogen auf eure Inhaltsstrategie: Macht ihr etwas, das andere Marken nicht machen oder einfach besser?

Hannes: Wir machen wahrscheinlich mehr als andere Marken und sind mutiger als der Wettbewerb. Wir laden sehr viele Videos hoch und probieren sehr viel aus. Dabei haben wir wenig Angst, gecancelt zu werden.

Jeremy: Der wesentliche Unterschied ist, dass wir als Personen gegründet haben und gleichzeitig die Gesichter sind. Es gibt nur eine Handvoll Firmen in Deutschland, bei denen es so ist. Viele von ihnen sind auch erfolgreich. Wenn ich uns jetzt zum Beispiel mal mit einem René Redo vergleichen würde oder mit einem KSI, dann würde ich sagen, wir spielen das gleiche Spiel, aber die spielen es sogar besser. In Deutschland sind wir vielleicht Vorreiter, aber in anderen Ländern, wie zum Beispiel Amerika, gibt es dieses Konstrukt schon länger und hat sich bewährt.

Ihr hattet gerade euren hohen Output angesprochen. Wie hoch ist der Druck, jeden Tag Videos zu posten? Und ist das auf Dauer realistisch?

Hannes: Es ist auf jeden Fall realistisch. Für mich persönlich ist es weniger Druck, sondern mehr Lust. Man muss sich manchmal überwinden, genauso wie bei jedem anderen Job. Man hat nicht immer Lust, morgens zur Arbeit zu gehen und ich habe nicht immer Lust, jeden Morgen ein Video zu posten. Ich finde, die Tage, an denen es Spaß macht, Videos zu posten und darauf Feedback, Likes und Views zu bekommen, machen die Tage gut. Aber natürlich gibt es auch Tage, an denen man keinen Bock hat und es trotzdem macht.

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Ist es schwieriger, bekannt zu werden oder relevant zu bleiben?

Jeremy: Relevant zu bleiben, gar keine Frage. Kurzzeitig viral gehen, das passiert die ganze Zeit. Die Stärke eines Influencer definiert sich darin, im Gespräch zu bleiben. 

Mittlerweile habt ihr ein breites Creator-Netzwerk und wohnt beispielsweise als Influencer-Gruppe zusammen. Ist das eher Synergie oder Konkurrenz?

Jeremy: Natürlich hat man sich auch mal gestritten, aber auf jeden Fall weniger als in anderen WGs, und auch nicht wegen Konkurrenz. Von daher: Definitiv mehr Synergie.

Hannes: Man ist einfach kreativer, gibt sich gegenseitig Denkanstöße.

Jeremy: Es ist absolut prägend, sowohl auf persönlicher als auch auf unternehmerischer Ebene. Ich habe unglaublich viel gelernt von Hannes. Dinge, die einfach essentiell sind, auch für einen guten Unternehmer, Mensch, alles. Ich verdanke Hannes alles.

Stichwort Fernsehen: Euer Universum wurde inzwischen um “Splash House” erweitert, eine große Show, in der Influencer und Streamer über mehrere Tage hinweg Livestreams und Spiele miteinander verbinden. Wie kam das Format zustande?

Jeremy: Dass wir zu Splash ein Longform-Format machen wollen, war uns früh klar. Es ist die logische Erweiterung unserer Kurzinhalte auf weiteren Plattfromen. Wir waren gespannt, wie eine Umsetzung aussehen könnte. Gemeinsam mit i&u Studios, heute Leonine C_, hatten wir die Idee eines 100 Stunden langen Livestreams, der in das Konzept von Splash House überführt wurde.Der Aufwand für “Splash House” ist groß. Was habt ihr in den bisherigen Staffeln über das Produzieren eines solchen Formats gelernt?

Jeremy: Jede Plattform hat ihre eigenen Regeln. Auch wenn wir TikTok von Anfang an gelebt und durchgespielt haben, war Twitch trotzdem eine Herausforderung. Am Ende des Tages bleibt Social Media unberechenbar. Es kommt auf innovative Inhalte an, die den Unterschied machen. Was kann das Fernsehen im Gegenzug von euch lernen?

Jeremy: Fernsehen ist definitiv ein genau so ernstzunehmendes Medium, nur mit einer anderen Zielgruppe. Was die Branche aber noch nicht so ganz verstanden hat, ist die Notwendigkeit, sich immer wieder zu revolutionieren. Stattdessen werden dauerhaft alte Sendungen recycelt, die vor zehn Jahren schon ausgestrahlt wurden. Im Gegensatz dazu wächst Social Media stetig mit dem Markt und dem Publikum mit.

TikTok habt ihr durchgespielt, was kommt als nächstes?

Jeremy: Viel Unternehmertum. 

Hannes: Eigentlich alles andere: YouTube, Fernsehen, Plattformen, neue Gründungen. Das ist alles teilweise auch schon in der Umsetzung oder zumindest geplant. 

Vielen Dank für das Gespräch.

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(Offenlegung: Simon Pycha war an der Produktion von "Splash House" beteiligt.)