"Ich bin oft hingefallen", sagte ein sichtlich bewegter Michael Souvignier. "Ich habe auch öfter mal richtig Probleme gehabt und viele schlaflose Nächte. Aber: Ich falle hin, ich stehe auf, ich gucke nicht zurück, ich gucke nach vorn. Es treibt mich an, und deshalb habe ich immer weitergemacht. Und deshalb bin ich über alle Maßen glücklich, das alles machen zu dürfen."

Der Mann, der für Produktionen wie "Das Wunder von Lengede", "Contergan", "Kleo", "Euphorie" oder "Lieber Thomas" steht, hat am Freitagabend den Carl-Laemmle-Produzentenpreis erhalten, den die Produktionsallianz und die Stadt Laupheim gemeinsam verleihen. Benannt nach dem berühmten Laupheimer, der Ende des 19. Jahrhunderts in die USA auswanderte und die Universal Studios gründete, soll der Preis herausragende Lebensleistungen von Produzentinnen und Produzenten ehren.

Im Fall von Souvignier, Gründer und Geschäftsführer der Kölner Produktionsfirma Zeitsprung Pictures, lobte die Jury "eine Produzentenhaltung, die auf inhaltliche Überzeugung und Eigenverantwortung" setze. Er habe sich "aktiv eingemischt in politisches und wirtschaftliches Unrecht jeder Art, denn seine Projekte folgen seinem persönlichen journalistischen Anspruch – oft mit hoher Risikobereitschaft", sagte die Doku-Produzentin Birgit Schulz (Bildersturm Filmproduktion), die zusammen mit Nurhan Şekerci-Porst (Constantin Film), Knut Kremling (Banijay Germany) und Helga Reichert (Filmtage Oberschwaben) die diesjährige Jury bildete.

Das Besondere am Laemmle-Preis ist stets die liebevoll iszenierte Gala fernab der großen Medienmetropolen im oberschwäbischen Laupheim. Vor rund 400 geladenen Gästen im Schloss Großlaupheim wurde Souvignier zunächst von Anna Loos und Jan Josef Liefers überrascht, die einen Song seiner Lieblingsband Depeche Mode sangen. Dann folgten drei Laudatoren, die den Preisträger in persönlichen Worten als Mensch, Produzent und Unternehmer mit ungewöhnlicher Kreativität, großem Mut und hoher gestalterischer Kraft für Branche und Gesellschaft ehrten.

"Bis heute arbeitest du für deine Haltung, für deine Empathie, für deine Menschlichkeit, für deine Leidenschaft", sagte der Regisseur und Produzent Jochem Wahl, einer der ältesten Freunde Souvigniers. "Du lässt dich nicht davon abbringen, wenn eine Geschichte schwierig wird, sondern stehst furchtlos und couragiert dafür ein. Das beschreibt dein Produzententum", sagte Walid Nakschbandi, Geschäftsführer der Film- und Medienstiftung NRW, der Souvignier mit einem Verleger und Zeitsprung mit seinem persönlichen Verlag verglich.

"Drei Jahrzehnte, das klingt nach Kontinuität", sagte Till Derenbach, langjähriger Co-Geschäftsführer von Zeitsprung, in seiner Rede. "Das klingt nach einem großen Plan, nach einem Mann, der früh wusste, wo er hin will und der heute locker sagen kann: Der Plan ist aufgegangen. Wer Michael kennt, weiß, dass es so überhaupt nicht war. Es war vielmehr so: Man muss nicht immer wissen, wo es lang geht, aber man muss spüren, was die großen, über die Trends hinausweisenden, universalsprachlichen Erzählungen sind. Und man muss einfach weitermachen – voller Mut und Hoffnung und mit allergrößter Überzeugung."

Derenbach sprach auch über die Insolvenz von Zeitsprung und den Tod von Souvigniers Ehefrau und Geschäftspartnerin Ica – zwei Schicksalsschläge, die den Preisträger 2011/12 innerhalb eines Jahres ereilten. "Du bist aufgestanden mit Erfahrungen, mit Narben, und erstaunlicherweise immer noch mit großer Lust auf diesen Beruf des Geschichtenerzählers, mit so einem großen Optimismus nach dem großen Leid."

Michelle Müntefering, CEO der Produktionsallianz, würdigte Souvignier als Produzenten, der mit seiner Arbeit "stets den Moment, der berührt", suche. "Aus Überzeugung und Menschlichkeit wächst die Kraft seiner Werke. Er hat etwas zu sagen." Zum zweiten Mal wurde im Rahmen der Gala auch der Carl Laemmle VFF Talentpreis verliehen. Er ging in diesem Jahr an die Nachwuchsproduzenten Paulina Lorenz, Jorgo Narjes und Faraz Shariat von Jünglinge Film für ihren Film "Staatsschutz". Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert und beinhaltet eine zweijährige Fördermitgliedschaft in der Produktionsallianz.

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