In wenigen Wochen greift eine schon vor Monaten beschlossene Reform der Spartenkanäle von ARD und ZDF. Weil im Reformstaatsvertrag eine Reduzierung entsprechender Angebote vorgesehen war, hatten sich die Öffentlich-Rechtlichen bereits im Frühjahr geeinigt, mit welcher Aufstellung man in die Zukunft geht. So werden ZDFneo und One im neuen Neo aufgehen. Im Informationsbereich werden die neu aufgestellten Sender Phoenix und Info übrig bleiben, Tagesschau24 und ZDFinfo hingegen eingestellt, ebenso wie ARD-alpha. 

Und dann hat man sich auch auf klare Federführungen bei den entsprechenden Angeboten festgelegt. Während das ZDF künftig für Neo und Info verantwortlich ist, übernimmt die ARD alleine die Federführung bei Phoenix. Weiterhin bestehen bleiben der Kika und Funk, hier gibt es keine unmittelbaren Änderungen, die sich aus dem Reformstaatsvertrag ergeben. Der Kika wird auch weiterhin von ARD und ZDF betrieben, die laufenden Geschäfte steuert die ARD in Form des MDR. Die Funk-Federführung bleibt beim SWR. 

Während die grundsätzliche Richtung, in die ARD und ZDF mit ihren Spartenkanälen wollen, schon seit einigen Monaten bekannt ist, sind Details noch unklar. Und das wird vorerst auch so bleiben. DWDL.de wollte sowohl vom ZDF (für Neo und Info) als auch vom WDR (für Phoenix) wissen, wie konkrete Programmflächen aussehen, die Programmplanung funktionieren wird und wer künftig eigentlich tatsächlich verantwortlich für die Sender ist. Sowohl das ZDF als auch der WDR teilten jedoch mit, dass man sich zu diesen Punkten aktuell noch nicht äußern könne. 

Dabei muss man nur einen Blick auf den Kalender werfen, um festzustellen, dass die Zeit langsam drängt. Die Umstellung wird zum 1. Januar 2027 erfolgen, also in 86 Tagen. Und man kann davon ausgehen, dass die Sender mit ihren Plänen schon deutlich früher an die Öffentlichkeit gehen. Das ZDF veröffentlicht das Programm seiner Sender normalerweise immer sechs Wochen im Voraus. Bleibt es dabei, dürfte Mitte November feststehen, wie genau das Programm von Neo und Info zum Start aussehen wird. 

Das Beste aus beiden Welten

Dass sich ARD und ZDF Zeit nehmen bei der Planung, ist keine Überraschung. Die Zusammenführung der Kanäle ist alles andere als trivial und es dürfte auf beiden Seiten Interessen geben, die man irgendwie unter einen Hut bringen muss. War ZDFneo bislang vor allem eine große (und sehr erfolgreiche) Abspielstation alter ZDF-Ware, wird sich das ab dem neuen Jahr ändern. Beim neuen Neo sollen künftig auch ARD-Inhalte zu sehen sein. Man wolle das Beste aus beiden Welten im neuen Sender zusammenführen, sagte ZDF-Chef Norbert Himmler im März im DWDL.de-Interview. "Unser Ziel ist es, neo zur Startrampe ins Digitale zu machen", ergänzte der ARD-Vorsitzende Florian Hager damals. 

Gut möglich, dass das neue Programm erst einmal auf die linearen TV-Quoten drücken wird. ZDFneo ist heute eine gut geölte Maschine, in der viele Zahnrädchen nahtlos ineinander greifen. Es wäre kaum überraschend, sollte es zu Beginn des kommenden Jahres nicht mehr ganz so rund laufen. Dafür wäre der neue Sender möglicherweise näher am eigentlichen Auftrag dran und würde mehr Highlight-Inhalte zeigen, die vorrangig für die Mediatheken produziert wurden. 

Mehr Info bei Phoenix, mehr Dokus bei Info

Bei Phoenix und Info sind die Herausforderungen nicht kleiner. Hier gilt es, die Programme gut aufeinander abzustimmen und auch dem Publikum klar zu machen, welche Inhalte sie wo erwarten können. Phoenix soll unter der ARD-Federführung ausgebaut werden und künftig mehr Live-Berichterstattung machen. Es geht um politische und gesellschaftliche Ereignisse, aber auch um Parlamentsdebatten, Analysen und Hintergrund. Geplant sind zudem Magazine und Talks. Nachrichten bekommt der Sender von ARD Aktuell und ZDFheute zugeliefert, der Aufbau einer eigenen Nachrichtenredaktion ist nicht geplant. 

Die bislang bei Phoenix gezeigten Dokumentationen und Reportagen wandern zu Info, was schon namenstechnisch für leichte Verwirrung bei den Zuschauerinnen und Zuschauern sorgen könnte. ZDF-Chef Norbert Himmler erklärte im März, dass man mit der Aufstellung die Profile der Angebote klarer mache. "Auch wenn phoenix kein Nachrichtensender ist: hier zeigen wir die geballte Informationskompetenz von ARD und ZDF", erklärte er damals. 

Weil die ARD künftig die alleinige Federführung bei Phoenix innehat, ist schon klar, dass es hier in der Programmgeschäftsführung zu Veränderungen kommen wird. Aktuell wird der Sender von Eva Lindenau (WDR) und Michaela Kolster (ZDF) geführt, künftig gibt es wohl nur noch eine Person an der Spitze des Senders. Aber auch dazu will der zuständige WDR gegenüber DWDL.de aktuell noch keine näheren Angaben machen. 

Lineares Ende schon absehbar

Spannend ist die künftige Aufstellung der Spartensender auch deshalb, weil ihr jeweiliges Ende im linearen Programm schon heute absehbar ist. Der Reformstaatsvertrag setzt da verschiedene Grenzen. Grundsätzlich müssen die Sender ins Internet überführt werden, sobald die Nutzung innerhalb der jeweiligen Zielgruppe überwiegend über die Telemedien erfolgt. Als spätesten Zeitpunkt hat die Politik den 1. Januar 2033 vorgesehen. Im Falle von Neo ist dieses Datum von der Politik aber deutlich auf Anfang 2029 vorgezogen worden. 

Rund zwei Jahre nach dem Start wird es Neo in der Form linear also gar nicht mehr geben - das wirft unter anderem die Frage auf, welche Bedeutung der Sender überhaupt für ARD und ZDF haben wird. Von der Regelung sind auch der Kika, Phoenix und Info betroffen, für sie gilt der 1. Januar 2033 als spätester Zeitpunkt für die Überführung ins Digitale. Bei Funk gibt’s keine Änderungen, denn das Angebot ist heute schon digital. 

Der ARD-Vorsitzende Florian Hager erklärte bereits im März im DWDL.de-Interview, dass man mit der neuen Aufstellung eine klare Ausrichtung aufs Digitale vornehme. "Wir haben die Zielgruppen im Blick, die Medien zunehmend digital nutzen. Deswegen setzen wir nicht nur die im Reformstaatsvertrag verankerten Vorgaben der Politik um, sondern stellen die Weichen für die Zukunft – und die liegt ganz klar im Digitalen". Angebote wie Funk und Kika würden schon heute zeigen, wie erfolgreich ARD und ZDF sein können. "Für den Übergang nutzen wir die lineare Reichweite der gemeinsam veranstalteten Programme bestmöglich. Die Zukunft liegt aber klar in noch mehr gemeinsamen starken digitalen Angeboten von ARD und ZDF."