Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger übt scharfe Kritik an der Haltung des neuen Bundesumweltministers Norbert Röttgen. So hatte sich der deutsche Vertreter bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses des EU-Ministerrats, bei der die Regulierung der Werbung für "energierelevante Produkte" auf der Tagesordnung stand, nicht mehr wie bisher ausdrücklich gegen Zwangsinformationen in der Werbung ausgesprochen, sondern sich der Stimme enthalten.
Der BDZV sieht dadurch der Werberegulierung "Tür und Tor geöffnet" und "ein schlechtes Signal für die Zukunft der Presse". Die Haltung des Bundesumweltministeriums bezeichnete er als "nicht nachvollziehbar". Man erwarte, dass eine solche Regulierung für "massive Umsatzeinbrüche" sorge und somit den Verlagen, die ohnehin von der Wirtschaftskrise schon stark getroffen seien, zusätzlich schade.
Stein des Anstoßes: In Werbung etwa für Haushaltsgeräte müsste künftig eine Information über die Energiebilanz der Geräte aufgenommen werden. Der BDZV sieht damit das Ende des freien und kritischen Journalismus so gut wie erreicht und versteigt sich zu der These, dass ein solcher Eingriff in die Werbefreiheit letztlich kontraproduktiv wirke. Ein Rückgang an Einnahmen aus Anzeigen werde sich unmittelbar auf die Finanzierbarkeit der Presseberichterstattung auswirken, heißt es in einer Pressemitteilung. Zu dieser zählten schließlich gerade auch die vielfältigen Berichte und Informationen über Umwelt- und Energiethemen, die ein "wesentlicher Motor für die Meinungsbildung der Verbraucher" seien.
"Eine Kombination aus gesetzlich geregelter Pflichtinformation im Verkaufsraum und an den Geräten mit einer freien redaktionellen Presseberichterstattung ist für Verbraucherinformation und Klimapolitik sehr viel effektiver als die geplante Beschneidung der Pressewerbung", so der BDZV, der an das Umweltministerium appelliert, zur im Dezember 2008 von der damaligen Bundesregierung niedergelegten Auffassung zurückzukehren, wonach man weitere Werbebeschränkungen strikt ablehne und allen darauf gerichteten Bestrebungen entgegentreten werde.
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