Montag, 28. November 1994: Etwa zweieinhalb Jahre nach Start der täglichen Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und rund zwei Jahre nach dem Beginn von "Marienhof" (Das Erste) probiert sich RTL an einer zweiten Daily im Line-Up: Angesiedelt in der fiktiven Kölner Schillerallee wohnen seitdem die Weigels. Ihre Sorgen und Probleme, aber auch ihre Freude und ihr Glück haben inzwischen mehrere Generationen begleitet. In diesen nun fast 26,5 Jahren hat sich die Produktion von UFA Serial Drama mehrfach gewandelt und weiterentwickelt. Eines ist gleich geblieben: "Unter uns" steht für Nachbarschaftsgeschichten von normalen Leuten, hebt sich somit von Adels-Soaps wie "Verbotene Liebe" (Das Erste) genauso ab wie von anderen täglichen Formaten, die in den vergangenen Jahrzehnten kamen und teils gingen. Keine schillernde Mode-, oder Immobilienwelt, kein 5-Sterne-Hotel, dafür aber die Schillerallee – inklusive Bäckerei, KFZ-Werkstatt und Baufirma. "'Unter uns' ist eine sehr bodenständige Serie, die auf Kontinuität angewiesen ist," fasst Produzent Guido Reinhardt im Gespräch mit DWDL.de zusammen.

Guido Reinhardt © UFA Serial Drama Guido Reinhardt
Verlässlichkeit und Kontinuität, Schlagworte, die eng mit der 17:30-Uhr-Serie verbunden sind. "Ganz neue Charaktere einzuführen, ist bei 'Unter uns' deutlich komplexer als etwa bei den anderen UFA Serial Drama-Produktionen 'GZSZ' oder 'Alles was zählt'. Neue Figuren werden von unserem Publikum kritischer beäugt als in anderen Formaten. Unser Publikum überlegt sich genau: Will ich der Rolle eine Chance geben? Allgemein haben wir eine große Beständigkeit im Cast", sagt Reinhardt und meint, dass genau dies vom Publikum als großes Qualitätsmerkmal wahrgenommen werde. Das Jahr 2020 war in Bezug auf Kontinuität vergleichsweise wild. Dass es "recht viele Wechsel" im Cast gegeben hat, bestätigt Reinhardt. "So haben uns etwa Saskia und Rufus verlassen und die Rolle von Till wurde mit einem neuen Schauspieler besetzt. Das war für unsere Verhältnisse schon eine recht große Fluktuation."

Wofür steht "Unter uns"? Aus unserer Sicht sind das die drei Themen Familie, Freundschaft und Nachbarschaft. Produzent Guido Reinhardt (UFA Serial Drama)

Eng verknüpft mit Neuzugängen und/oder Rückkehrern sind auch die kommenden Tage bei der RTL-Daily. Vergangenen Sommer sei die Idee entstanden, eine Eventwoche zu stricken. Dass dieser Einfall mit dem Versuch einherging, die langsam, aber stetig sinkenden Quoten positiv zu beeinflussen, will der Produzent derweil so nicht sagen. Die Überlegungen hätten eher dem Zweck gedient, den Kern des Formats wieder freizulegen. So war also eine der Kernfragen die, wofür "Unter uns" überhaupt stehe: "Aus unserer Sicht sind das die drei Themen Familie, Freundschaft und Nachbarschaft. Daraus entstand dann die Überlegung, mit welchen Figuren wir diese Themen erzählen können. Wer hat uns verlassen und welche Charaktere, vielleicht auch ehemalige, können wir neu erzählen?", erinnert sich Guido Reinhardt.

Unter uns Eventwoche © TV Now / Stefan Behrens "Unter uns"-Eventwoche voraus: Die Vergangenheit holt die Bewohner der Schillerallee ein. Es fängt harmlos mit einer seltsamen SMS an Sina Hirschberger und Till Weigel an und entwickelt sich schnell zu einem Ritt auf der Rasierklinge.

Genau hingehört habe man, was das Publikum sich wünsche, berichtet er – so entstand also die Idee, den von vielen Fans eigentlich tot geglaubten Rolf Jäger zurückzuholen. Rolf ist bei "Unter uns" soetwas wie das Jo-Gerner-Pendant, wobei der zuletzt fast schon handzahm gewordene "GZSZ"-Anwalt dagegen ziemlich blass aussieht. In der deutschen Soapwelt ist Jäger eher vergleichbar mit der ähnlich verbitterten Barbara von Heidenberg ("Sturm der Liebe"), die am Fürstenhof nach etlichen Straftaten, darunter auch Mord, vor einiger Zeit den (vermeintlichen?) Tod fand. Jäger also lebt und wird einigen populären Charakteren in der Schillerallee wieder antagonistisch gegenübergestellt. So verwundert es nicht, dass in die Geschichte in besonderem Maße seine einst enge Bezugsperson Sina, aber auch Britta und Eva, mit denen er sich schon immer Intrigenspielchen lieferte sowie Jägers Neidobjekt Till involviert sein werden.

Stefan Franz spielt Rolf Jäger © TV Now / Stefan Behrens Stefan Franz spielt Rolf Jäger. Die Figur tauchte als unehelicher Sohn von Wolfgang Weigel 2002 in der Schillerallee zum ersten Mal auf. Er führt ein Leben am Rande des Abgrunds.
Nicht zuletzt ist Rolf Jäger ein Anknüpfungspunkt, um die nun mit neuen Schauspielern besetzten Ursprungscharaktere Corinna und Chris Weigel mit einem Knall zurückzubringen. Chris ist immerhin Rolfs Halbbruder, wenngleich sie sich bis dato nie kennengelernt hatten. Mit Chris und Corinna in das Frühjahr zu starten, das werde "viel Aufmerksamkeit bei den aktuellen, aber auch bei ehemaligen Zuschauer:innen bringen", erhofft sich Reinhardt.

Und Aufmerksamkeit, das kann die Produktion, die linear am späten Nachmittag läuft, durchaus brauchen, damit die Akteure künftig nicht wirklich im wahrsten Sinne des Titels "unter sich" agieren. Im Zehn-Jahres-Trend haben sich die Marktanteile der Schillerallee-Geschichten fast halbiert. 2011, als zugegebenermaßen auch der Sender RTL noch auf deutlich höherem Niveau agierte, erreichte "Unter uns" 19,5 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe im Jahresschnitt, 2020 waren es 10,3 Prozent, aktuell liegt man in den ersten Monaten dieses Jahres bei genau zehn Prozent. Nicht uninteressant: In Sachen Gesamt-Reichweite ist die Serie von den Werten des Jahres 2011 zwar ebenfalls entfernt – damals schauten im Schnitt über 1,9 Millionen Menschen zu - seit sieben Jahren aber zeigt sich die Produktion standfest und wuchs zuletzt sogar leicht. "Die Sehbeteiligung insgesamt ist mit zwischen 1,2 und 1,3 Millionen year-on-year stabil", erklärt Guido Reinhardt und ergänzt: "Für uns besonders wichtig: Wir schaffen einen Einschaltimpuls. "Unter uns" erweist sich zudem als relativ störunanfällig und trotzt dem enormen Zuschauerzuwachs, etwa bei den Dritten Programmen, um diese Zeit." Blieben die Reichweiten dauerhaft in dieser Region, sei er zufrieden, sagt der Fernsehmacher – noch zufriedener sei er, wenn die Serie über dem RTL-Senderschnitt performe. Das ist aktuell nicht der Fall.

Marktanteil-Langzeittrend: Unter uns

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Quelle: DWDL.de-Recherche
dwdl.de/zahlenzentrale
ab 3 Jahren
14-49 Jahre

Passend also, dass nun Namen wie Chris, Corinna und Rolf wieder für Aufmerksamkeit bei aktuellen und wohl besonders auch ehemaligen Fans sorgen sollen. "Chris und Corinna werden in diesem Jahr sicherlich eine große Rolle spielen – zudem kommt das Böse zurück in die Schillerallee. Gerade auf diese Ankündigung haben wir längst viel Resonanz via Social Media erhalten", berichtet Guido Reinhardt.

Wichtig für das lineare Programm von RTL ist Verlässlichkeit. Und "Unter uns" ist eine Marke, die Kunden und Werbetreibenden seit etlichen Jahren ein vertrauter Partner ist. Nichtsdestotrotz sind wir natürlich gefordert, 'Unter uns' immer spannend zu gestalten.
Produzent Guido Reinhardt (UFA Serial Drama)

Ohnehin sind es digitale Verbreitungswege, die alle drei RTL-Dailys mittlerweile intensiv bespielen. Bedeutet: Schauspielerinnen und Schauspieler gehen regelmäßig live via Social Media und können so direkt mit den Fans kommunizieren, was stets gut ankomme, weiß Reinhardt. Sämtliche Folgen der Soaps, also auch von "Unter uns", lassen sich zudem zeitlich komplett flexibel via TVNow streamen; was freilich einen Einfluss auf die wirkliche Zuschauerzahl hat. "Wir liegen regelmäßig in den Top10 der meistgesehenen Programme auf TVNow", sagt Reinhardt und mahnt, diese Userinnen und User nicht zu übersehen, "denn auch solche Zahlen fließen in unseren Erfolg mit ein". Für das lineare TV-Programm von RTL sei seiner Sicht nach neben der reinen TV-Quote vor allem Verlässlichkeit wichtig. Verlässlich und bodenständig? Das passt absolut auf "Unter uns". Die Serie rund um die Schillerallee sei eine Marke, meint Reinhardt, "die Kunden und Werbetreibenden seit etlichen Jahren ein vertrauter Partner ist."

Die Transformation ins Digitale und somit zu TVNow sei derweil Fluch und Segen zugleich. "Natürlich", sagt er, sei es eine Aufgabe, den Zuschauerinnen und Zuschauern ein lineares Angebot zu machen. "Wer unsere Serie aber auf Abruf schaut, bleibt uns und der Sendergruppe ja trotzdem treu. Ich sehe lineares Programm und Streamingdienste keineswegs als Gegensatz. Am Ende muss beides funktionieren", betont Reinhardt und ergänzt, dass Angebote wie TVNow für die UFA Serial Drama obendrein eine große Chance seien – etwa bezogen auf die Frage, wann es denn nun die erste rein digitale Daily-Soap gebe.

Future-Wochen stehen an

Weil – in der Welt seriellen Erzählens genau wie in der Sportwelt – "vor dem Event nach dem Event" sei, wird am Set schon an der Zukunft geschraubt – und das gleich auf mehreren Ebenen. Woche für Woche entstehen sechs neue Folgen. In Kürze stehen beim Kreativ-Team wieder die so genannten Future-Wochen an. Dann werden die großen Storybögen für das nächste halbe Jahr erfunden. Ausgang: Aktuell natürlich offen. Mit welchen Erwartungen und Wünschen Reinhardt bei den Future-Wochen aufschlägt? "Zunächst einmal freuen wir uns, wenn die Fans den Weg, den wir uns vergangenen Sommer vorgenommen haben, goutieren. Den wollen wir nämlich weitergehen. Es wird also auch 2021 um Familie, Freundschaft und Nachbarschaft gehen", sagt er. "Allgemein haben wir jüngst angefangen, Cliquen zu bilden. Wir erzählen jetzt also Erlebnisse einer Mädels- und einer Männerclique, übrigens auch vor dem Hintergrund, dass unsere Zuschauer:innen so etwas zuletzt im wirklichen Leben nicht erleben konnten."

Geschraubt wurde zuletzt aber in der Tat auch im handwerklichen Sinne, denn die Macher haben mit Kellerräumlichkeiten ein neues Set hinzugefügt. Die Wohnungen sind künftig mit einem Saunabereich und einem Wäscheraum unterkellert. Besser kann man Bodenständigkeit kaum verdeutlichen.

Die "Unter uns"-Eventwoche startet bei RTL am Dienstag, 9. März um 17:30 Uhr.