Der Fernsehfilm ist ohne Zweifel eines der Königsgenres - doch seit 2008 wird zusätzlich auch der Beste Mehrteiler geehrt, auch wenn die Zahl dieser Produktionen zuletzt zumindest gefühlt wieder etwas nachgelassen hat. Und doch kann sich die Liste der Gewinner bislang sehen lassen: Im vergangenen Jahr war es der RTL-Erfolg "Hindenburg", der das Rennen machte, ein Jahr zuvor gewann der sehenswerte ARD-Mehrteiler "Im Angesicht des Verbrechens", 2009 setzte sich der historische Sat.1-Film "Wir sind das Volk - Liebe kennt keine Grenzen" durch.

Doch auch wenn der Beste Mehrteiler erst vor drei Jahren als eigenständige Kategorie beim Deutschen Fernsehpreis eingeführt wurde - auch in den Jahren zuvor wurden bereits mehrfach Filme ausgezeichnet, die vom klassischen 90-Minuten-Schema abwichen. Auch hier wurden vor allem Filme ausgezeichnet, die sich mit der deutschen Geschichte auseinandersetzten. So erhielt das ZDF im Jahr 2006 den Preis für seinen Mehrteiler "Dresden", im Jahr 2001 gewann "Der Tunnel". Sat.1 setzte sich darin mit dem Mauerbau auseinander. 2002 erhielt zudem "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" die Auszeichnung als "Fernsehereignis des Jahres".

Laconia© SWR/Degeto/SWR/Teamworx/Guderjahn
In diesem Jahr sind es ausschließlich öffentlich-rechtliche Produktionen, die sich im Wettbewerb um den Besten Mehrteiler befinden. Zu den Nominierten zählt der ARD-Film "Laconia", der im Jahr 1942 spielt. Auf der Flucht vor den Nazis gibt sich die junge Hildegard (Franka Potente) als Britin aus und geht im ägyptischen Suez an Bord der Laconia, die neben britischen Flüchtlingen, darunter viele Frauen und Kinder, auch rund 1.800 italienische Kriegsgefangene nach Liverpool befördern soll. Doch vor der westafrikanischen Küste eröffnet das deutsche U-Boot U 156 unter dem Befehl von Kapitän Hartenstein (Ken Duken) das Feuer auf den vermeintlichen alliierten Nachschubtransporter: Die Laconia sinkt. Nach dem Auftauchen erkennt Hartenstein seinen Irrtum und entscheidet sich für eine unvergleichliche Rettungsaktion. Zwischen die Fronten geraten dadurch nicht nur die als Deutsche enttarnte Hildegard, sondern auch Hartenstein und seine Crew. Die Fernsehpreis-Jury meint: "Fesselnd erzähltes Weltkriegsdrama mit starkem Ensemble und bisher unbekanntem Thema."

Udo Jürgens© ARD Degeto/Ziegler Film/Graf Filmproduktion/ORF/Toni Muhr
Mit "Der Mann mit dem Fagott" ist zudem die Biografie von Udo Jürgens für den Fernsehpreis nominiert, die ebenfalls im Ersten lief. Im September 2010 reist Udo Jürgens nach Moskau, um die verschollene Bronzestatue seines Großvaters, 'Der Mann mit dem Fagott', entgegenzunehmen. Diese Figur hat für seine Familie eine große Bedeutung, denn einst inspirierte ein Fagottspieler Großvater Heinrich Bockelmann (Christian Berkel) dazu, sein Glück in Moskau zu versuchen. Dies ist der Beginn einer großen Familiensaga: Flucht der Großeltern im Ersten Weltkrieg, der harte Weg für Vater Rudi (Ulrich Noethen) als österreichischer Bürgermeister im Zweiten Weltkrieg und ein aus der Art geschlagener Udo (David Rott), der als 18-Jähriger nur Musik im Kopf hat, für ein Taschengeld in Bars spielt und dabei von der ganz großen Karriere träumt. Die Jury meint: "Diese ergreifende Beststeller-Verfilmung wirft nicht nur einen Blick auf Werk und Leben von Udo Jürgens, sondern auf ein ganzes Jahrhundert."

Verschollen am Kamp© ZDF/Guderjahn
Ebenso nominiert ist der ZDF-Mehrteiler "Verschollen am Kap". Medizinstudentin Karla (Nadja Bobyleva) engagiert sich darin in Südafrika für ein humanitäres Hilfsprojekt. Durch ihre Liebe zum Aktivisten Maduna wird Karla in die Machenschaften um den vergifteten Masulu-See, ein wichtiges regionales Trinkwasserreservoir, verwickelt – und während des Besuchs ihrer Mutter Judith (Barbara Auer) entführt. Karlas Vater Claas Lohmann (Heino Ferch) ist ehrgeiziger Vorstand des deutschen Wasser und Energiekonzerns GERAG. Für ihn bedeutet die abgeschnittene Trinkwassersorgung in Südafrika vor allen Dingen eins: Ein lukratives Geschäft. In der Sorge um ihre Tochter ist sich Judith auf einmal nicht mehr sicher, ob sie ihrem Mann noch trauen kann… Dazu meint die Jury: "Temporeicher Thriller, der ein relevantes Thema nachhaltig in den Köpfen der Zuschauer platziert."

Die Gewinner der vergangenen Jahre:

2011 "Hindenburg" (RTL)
2010 "Im Angesicht des Verbrechens" (ARD)
2009 "Wir sind das Volk - Liebe kennt keine Grenzen" (Sat.1)
zuvor wurden die Mehrteiler in der Kategorie "Bester Fernsehfilm" berücksichtigt