Unter dem leider unpassenden, weil völlig überdrehten Label „Saturday Sensation“ hatte ProSieben der klassischen Samstagabendshow eine Chance auf ein Comeback eingeräumt. Und das Genre hat sich mit Witz, klassischem Aufbau und seichter Unterhaltung gelungen zurückgemeldet. Ein ungewohnter Erfolg für einen Sender, dem man als letztem eine Samstagabendshow zugetraut hätte. Der Erfolg hat in erster Linie einen Namen: Jürgen von der Lippe.
Sicher, sein Einstieg war einstudiert aber trotzdem humorig. Lippe begrüßt das ProSieben-Publikum mit "Sicher fragen Sie sich: Was macht eigentlich der dicke alte Sack hier?“ und gibt gleich die Antwort: „Ich bin das neue Sandmännchen und bringe die Kinder ins Bett.“ In der Tat wirkt Lippe im ProSieben-Programm wie der Opa vom Dienst, der die junge Riege der „Panel-Existenzen“ (Harald Schmidt) zur Ordnung rief, ohne aber selber auf schlüpfrige Sprüche zu verzichten.
Anders als zum Beispiel Shows wie RTLs „5 gegen 100“ machte „Extreme Activity“ aber großen Spaß ohne von vornherein als Comedy ausgelegt. Die Sendung an sich is belanglos, zweifelsohne. Keine aufwändige Produktion, nur ein verfilmter Spieleabend mit Freunden. Auch wenn Verona Pooth mit höchst komischen Versprechern für die größten Lacher sorgte, war besonders interessant wie Jürgen von der Lippe die Sendung prägte.
So fühlte man sich beim Pantomime-Spiel stark an Jürgen von der Lippes „Geld oder Liebe“ erinnert, wo dieses Spiel ebenfalls Bestandteil war. Und die beiden Wrestler bei einer der „Extreme“-Runden der auf dem Brettspiel „Activity“ basierenden Show, weckten bei den älteren Zuschauern Erinnerungen an Lippes „Donnerlippchen“. Nachdem Lippe eine Zuschauerin nach vorne geholt hatte, lässt er ihr als Dankeschön ein Gläschen Sekt reichen – klingelt's? Genau, wieder „Geld oder Liebe“.
Höchstform bewies, wie gesagt, Verona Pooth. Man mag von der Frau halten was man will, sie sorgt – wenn auch unfreiwillig – für höchste Komik. Als Mannschaftskollegin Sandy Mölling erklärt: "Das miet ich mir, wenn ich in Urlaub fahre", rät Ex-Feldbusch: „Reisebüro“. Bei der „ersten Frau, die in Deutschland Sexshops eröffnet hat", denkt sie an Angela Merkel. Und aus einem Breitmaulfrosch macht sie in aller Eile einen "Brautmeilfrosch“.
„Extreme Activity“ ist keine Hochkultur und wird sicher in der Form keinen Preis gewinnen. Aber den Vorwurf von zu niedrigem Niveau kann man der Show nicht machen. Oder kalauert man selbst beim Spieleabend mit Freunden nicht genauso furchtbar?
Potential hat die Sendung gewiss. Vielleicht tut dem Format eine prominentere Teilnehmer-Riege gut, ohne schon hundertfach gesehene Gesichter wie die inzwischen nur noch durch Gastauftritte prominente Janine Kunze. Statt dem völlig unsinnigen „Talk Talk Talk Fun“ hätte ProSieben von der Lippes Show mit größerem Studio, zusätzlichen Spielrunden und den für Samstagabendshows typischen Musikgästen sinnvoll auf zwei Stunden verlängern können.
Immerhin aber hat ausgerechnet der sonst als Hollywood-Sender abgestempelte Sender ProSieben bewiesen, dass man am Samstagabend auch in klassischer Manier unterhalten kann. Ein großer Verdienst der mit einer zufriedenstellender Quote gekrönt wurde. Hoffen wir auf eine Fortsetzung nach den vorerst sieben geplanten Folgen.
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